Es ist schon schwierig, die aktuelle politische Diskussion über den Fachkräftemangel zu verfolgen und nicht wegen eines erhöhten Blutdrucks gleich den Arzt rufen zu müssen. Als ob die Alten nun alles richten müssten, setzen manche konservativen Kreise auf die Ruheständler. Und das ganz ungeniert.
Dabei gibt es ohne Zweifel genügend Resourcen in der Gesellschaft. Nämlich die Jungen. Noch ist es nicht lange vorbei, dass ein Großteil eines Jahrgangs an Hauptschülern nur geringe Chancen auf eine Ausbildung hatten.
Hier könnte die Politik jungen Menschen, die ins Berufsleben starten, mehr Unterstützung gewähren. Erst in dieser Woche berichtete das ZDF-Magazin Frontal 21 über eine engagierte Schülerin in Hessen, deren Mutter sie allein erzieht und Hartz IV erhält. Die Kosten des Schulwegs sollten sich die beiden vom Mund absparen.
Natürlich ist es wesentlich leichter über die Jungen zu schimpfen als sich zu fragen, warum die Schulsysteme in weiten Teilen so wenig auf den Arbeitmarkt vorbereiten, obwohl auch hier sehr viele Anstrengungen unternommen werden.
Aber, wer legt sich schon gerne mit den Bildungslobbyisten an?
Da ist es ungefährlicher, die Älteren, die gezeigt haben, was sie können, zu verpflichten. Rentenkürzungen als Sanktionen sind ein wirksamen Mittel.
Nebengeräusche in der Sommerdebatte sind die Vorschläge zu einer neutralen Bewerbung ohne Alter, Geschlecht und Nationalität. Deren Wirksamkeit ich bezweifele. Oder soll dann noch jemand anders zum Vorstellungsgepräch kommen, damit es nicht auffällt, dass man 50 plus ist? Man könnte ja stellvertretend einen Jungen vorschieben und sich das Einkommen dann teilen. So würde man zumindest die Solidarität unter den Generationen stärken, denn bei diesen Debatten sehen beide Generationen gleichermaßen alt aus.