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Fünf Sterne fürs Heim Regensburger Straße

Es sind nur drei Buchstaben, die das alte August-Meier-Heim vom neuen August-Meier-Haus unterscheiden, doch zwischen den beiden Gebäuden liegen Welten. In dem gerade bezogenen Wohnkomplex mit 158 stationären Pflegeplätzen wurden moderne Konzepte der Altenhilfe umgesetzt. Es ist dadurch ein attraktives Angebot für Menschen entstanden, die sich nicht mehr selbst in den eigenen vier Wänden versorgen können. Gleichzeitig eröffnet die 36,5 Millionen Euro teure Investition dem geschichtsträchtigen Ort an der Regensburger Straße in Nürnberg eine überzeugende Zukunftsperspektive.

Die 1939 errichteten markanten Wohngebäude, in denen während der NS-Herrschaft Zwangsarbeiter lebten, kennt fast jeder in Franken. Nach langer Diskussion über eine andere Nutzung der Häuser des August-Meier-Heims, in denen seit 1947 alte Menschen untergebracht waren, begann 2012 eine Planungs- und Bauphase. An ihrem Ende steht heute der ansprechende, moderne Bau mit seinen Lichthöfen, Gemeinschaftsräumen und modernen Schaltzentralen für das Pflegepersonal.

Im Eingangsbereich fallen neben der hellen Pförtnerloge und dem Zugang zur Caféteria die zahlreichen Briefkästen ins Auge – für jede Wohnung einen. Das macht die stattliche Anzahl von Bewohnern sichtbar. Ansonsten haben die Architekten eine Struktur geschaffen, die durch bewusste Farbgebung verstärkt wird und die Orientierung deutlich erleichtert.

Blick zum alten Gebäude, dasnoch für verschiedne Zwecke genutzt wird.

Das ist auch notwendig, denn in diesem Heim sollen sich Demenzkranke ebenso wohlfühlen wie rüstigere Personen. Für beide Personengruppen sind die Wohneinheiten entsprechend ausgestattet. In 42 Zimmern sind kleine Küchen vorhanden, in denen sich warme Getränke oder kleine Gerichte zubereiten lassen. Im Erdgeschoß sind ein gerontopsychiatrischer Wohnbereich und eine Pflegebereich für schwerstpflegebedürftige Menschen untergebracht.

Für die Mitarbeiter hat sich durch den Neubau ebenfalls vieles verbessert, betont Dr. Barbara Sterl. Die organisatorisch-technische Werkleiterin beim NürnbergStift hat den gesamten Bauprozess intensiv begleitet. Mit dem Ergebnis zeigt sich die 47-Jährige sehr zufrieden. Das August-Meier-Haus entspricht den neuesten ökologischen Standards, freut sie sich. Dazu zählt nicht nur die Verwendung von Lärchenholz, sondern auch die Energieversorgung durch Geothermie und durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Einrichtung »ist 100 Prozent unabhängig von fossilen Brennstoffen«, erklärt sie. Für die technischen Lösungen gab es hohe Zuschüsse von verschiedenen Stellen. Aber Sterl lobt nicht nur die Arbeit des Architekturbüros Arabzadeh, Kleinbrenner, Single im Hinblick auf bauliche Aspekte. Dem ganzen Team ist aufgefallen, dass »die kleinteiligeren Strukturen die Selbstständigkeit der Bewohner fördern«.

Dass sich die städtische Einrichtung in der Regensburger Straße sehen lassen kann, hat sich in der Bevölkerung schon herumgesprochen. Es existiert bereits eine Warteliste, denn alle Plätze sind belegt oder reserviert. Immerhin sind 138 Menschen vom alten Haus innerhalb kurzer Zeit ins neue Haus umgezogen und haben sich schon eingewöhnt.

Platz für Hobbys und Bewegung.

Mehr Komfort kostet mehr

Für den gestiegenen Komfort müssen sie nun tiefer in die Tasche greifen. Die Berechnungsgrundlage der Kosten ist kompliziert und variiert nach Pflegegrad und Länge des Aufenthalts, um nur zwei Faktoren zu nennen. Der Eigenanteil für einen stationären Pflegeplatz im neuen August-Meier-Haus liegt für den Einzelnen um rund 500 Euro höher als im Altbau, unabhängig davon, ob es sich um Selbstzahler handelt oder nicht. Bei 70 Prozent der Bewohner übernimmt der Bezirk die Kosten.

Als Anhaltspunkt kann folgendes Beispiel dienen. Im Pflegegrad 2 fallen rund 3.990 Euro pro Monat (inkl. Pflegeleistung, Unterkunft, Verpflegung, Ausbildungszuschlag/Umlage) an. Die Pflegekasse übernimmt davon einen Anteil von 770 Euro (weil Bewohner hier Pflegegrad 2 aufweist) und einen Zuschuss, der von der Dauer des Verbleibs in der Einrichtung abhängt. Wenn ein Bewohner mehr als 13 Monate dort lebt, zahlt er rund 2.800 Euro selbst. Ab dem 25. Monat zahlt er rund 2.400 Euro. Ab dem 37. Monat zahlt er rund 2.000 Euro.

Den Verantwortlichen bei der Stadt Nürnberg ist klar, dass die Kosten sehr hoch sind. Eine andere Form der Finanzierung mit staatlichen Zuschüssen könnte aber nur der Bundestag beschließen. Der Stadt bleibt in diesem Punkt nur ein geringer Handlungsspielraum. Nürnbergs Sozialreferentin Elisabeth Ries ist es sehr wichtig, dass die Stadt in Altenhilfeeinrichtungen investiert. Gleichzeitig verweist sie auf weitere anstehende Projekte am Platnersberg und in der Großweidenmühle. Sie bezeichnet das August-Meier-Haus als »wichtigen Meilenstein« in der Versorgung von alten Menschen, die in Nürnberg eine gute und lange Tradition hat. »Es ist wirklich toll geworden«, sagt Ries begeistert und ist glücklich, dass man »zum richtigen Zeitpunkt die Entscheidung für einen Neubau getroffen hat«. Vor allem die gute Atmosphäre im Haus und die deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten hebt sie hervor.

Unsichere Situation

Die Gesamtversorgungslage in Nürnberg sei schwierig. Die Preisentwicklung auf dem Bau, die staatlichen Vorgaben für Heimbetreiber, die bis 2028 umgesetzt werden müssen, unsichere Investitionskostenzuschüsse und eine angespannte Personalsituation im Pflegebereich seien schwer vorherzusehen. Private Betreiber und auch Wohlfahrtsverbände scheuten sich angesichts dieser Risiken neue Einrichtungen zu planen.

In Kürze soll auch der ambulante Bereich im August-Meier-Haus eröffnet werden. Geplant sind 16 Tagespflegeplätze und erstmals acht Nachtpflegeplätze. Wie das Angebot angenommen wird, einen Angehörigen über eine oder mehrere Nächte betreuen zu lassen, darauf sind alle gespannt. Und darauf, wie die Öffnung in den wachsenden neuen Stadtteil gelingt.

Welche künftige Nutzung für den historischen Ort in Frage kommt, ist noch offen, räumt Ries ein. Derzeit sind die zentrale Küche und die Verwaltung dort untergebracht. Die Küche soll auf ein städtisches Grundstück in Altenfurt verlagert werden, sagt die Sozialreferentin. Erst danach sei es sinnvoll, Konzepte für den Altbestand zu entwickeln.

Text: Petra Nossek-Bock
Alle Fotos: Michael Matejka

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