Hello All,

„Auch die längste Reise beginnt mit einem Schritt“ hieß es im klassischen China. Letzte Woche ging ich auf Fernreise. Doch sie begann weder mit westlichem Kofferpacken noch mit fernöstlichem ersten Schritt aus der Haustüre. Sondern mit dem rechtzeitigen Ausfüllen von Formularen. Viele davon; digital online, bequem von zuhause aus, so der Plan. Alles im Mobiltelefon speicherbar, papierlos. Verbunden mit der Drohung, dass man sich Kofferpacken und alle weiteren Schritte sparen kann, falls die Formularwächter mit der digitalen Fleißarbeit unzufrieden wären. Ich suchte die angeforderten Unterlagen zusammen und stapelte sie neben meinen Laptop, Scanner und Smartphone. Den Impfnachweis auf Englisch mit Angaben zu Hersteller, Impfstoff, Tage der Impfung; frischem Covid-19 Testergebnis mit Testmethode, Testdatum und Ergebnis; mehrsprachig; Flugdaten, Buchungscode, Ankunftszeit; Aufenthaltsdaten und Anschriften; eine mögliche Quarantäneanschrift und Kontaktinformationen; Reisepass, Visa-Bestätigung samt Password.

Ein gutes Digitaltraining für Senioren, tröstete ich mich. Es zog sich stundenlang hin, wie Monopoly zu zweit. Mal honorierte ein Online- Formular meine Scannerkünste nicht, an anderer Stelle stolperte ich über wechselnde Datumsangaben deren Formate von yyyymmdd zu ddmmyy sprangen. Das Prüfprogramm hatte eigene Vorstellungen von der Schreibweise von Nürnberg alias  Nuernberg alias Nuremberg. Mit Blick auf die Uhr gab ich stellenweise klein bei und wählte die erniedrigende Papierform; auf graulichem Umweltpapier. Am nächsten Morgen schob ich den Formularstapel, Mobiltelefon und Pass der Dame am Check-in hin. „Wir können sie leider so nicht einchecken. Ihre online übermittelten Passangaben stimmen nicht mit denen des Reisepasses überein“.  Sie haben mit der   Reisepassnummer CVO23L7 … angemeldet”.  Korrekt! Nein, falsch. Richtigerweise lautet diese CV023L7 … . Dass passiere häufiger, dass Senioren die 0 für ein O halten, sagte die Dame.

Noch bevor mich die Panik völlig lähmte, telefonierte sie mit ihrer Supervisorin, die wiederum mit der Einreisebehörde des Ziellandes. Die Dame tippte emsig und lächelte mir nach banger Viertelstunde ermutigend zu: Man habe meine falsche Eingabe soeben telefonisch im Einreisendensystem des Ziellandes korrigiert. Brauche ich demnächst eine Lupe, um die schlanke 0 vom dicken O zu unterscheiden?  „Es gibt gar keine Vokale unter den alphanumerischen Reisepassnummern. Weder A noch E, I, U und eben auch kein O. Nur Konsonanten und Zahlen.

Ich frage mich, ob man das den anderweitig so ablehnungsfreudigen Dateneingabeprüfprogrammen nicht ebenfalls beibringen könnte: Dass das große Runde Zeichen in der Passnummerangabe immer als Null zu interpretieren sei. Bei den Orts- und sonstigen Namen darf das O wieder aufleben. Einen Tag später stellte sich die gleiche Herausforderung bei der Angabe der Mietwagen-Matrikel im Gastland: Auch die ist gemischt alphanumerisch; ausgerechnet meine wieder mit dem zweideutigen Kullerding. Ein gewitzter Blick ins Internet: auch das muss eine Null sein, weil hierzulande gilt: Alpha, Alpha, Zahl – Zahl, Zahl, Alpha. Ganz einfach. Eine Reise heutzutage beginnt  digitalen Formularen; vor allem für die Reiseentwöhnten. Von wegen erster Schritt.

Ihr Global Oldie.