Ratlos in der Medienflut: Viele digitale Technologien passen noch nicht zur Lebenswirklichkeit älterer Menschen. Foto: Geralt/pixabay

Digitalisierung ist eines der am häufigsten verwendeten Schlagworte unserer Zeit. Wir informieren uns ganz selbstverständlich im Internet, nutzen Soziale Netzwerke und bezahlen unsere Rechnungen mittels Online-Überweisungen. Doch nicht jedem fällt es leicht mit der Zeit zu gehen. Die neuen Technologien überfordern auch viele Menschen, manchen, gerade den Älteren, macht die Geschwindigkeit der Veränderungen Angst.

Auch die kommunale Altenhilfe muss sich solchen Fragen stellen. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung in diesem Bereich? Was ist in Nürnberg zu tun? Mit diesen Leitfragen hat sich im November das 6. Demografieforum des Seniorenamts beschäftigt. Mehr als 130 Vertreterinnen und Vertreter der Nürnberger Altenhilfe, aus Stadtverwaltung und Stadtrat, Wohlfahrtsverbänden, Hochschulen und ehrenamtlich Tätige waren der Einladung ins Heilig-Geist-Haus gefolgt, um sich über die aktuellen Entwicklungen zu informieren.

Pragmatismus statt Euphorie

»Die Digitalisierungs-Euphorie ist bei manchen schier grenzenlos, doch wir wollen in Nürnberg pragmatisch damit umgehen«, sagt Sozialreferent Reiner Prölß. »Es gibt momentan noch viel mehr Fragen als Antworten bei dem Thema. Ich betrachte daher das Demografieforum als notwendige Form der Beteiligung der Akteure in einem gemeinsamen, kommunalen Findungsprozess.«

Im Hauptvortrag stellte Cordula Endter vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) die Kernaussagen des Achten Altersberichts der Bundesregierung »Ältere Menschen und Digitalisierung« vor. Dabei konnten die Informationen aktueller und frischer nicht sein, denn fertiggestellt wurde der Altersbericht erst nach der Nürnberger Veranstaltung Ende November.

Digitalisierung darf niemanden ausschließen

»Digitalisierung kann die Potenziale des Alterns verändern – aber noch wissen wir nicht viel«, lautete eine der neun Thesen Endters. Zwar sei schon viel Geld in die Entwicklung digitaler Technik für Ältere geflossen, doch Verbreitung und Nutzung hinken hinterher. Viele digitale Technologien passen noch nicht zur Lebenswirklichkeit älterer Menschen. Auch könne Digitalisierung die soziale Ungleichheit weiter verschärfen, wenn bestimmte Personengruppen systematisch ausgeschlossen bleiben.

»Gibt es überhaupt ein Recht auf ein Leben ohne Internet?«, lautete eine provokante Frage. Andererseits könne Digitalisierung – richtig umgesetzt – gegen soziale Ungleichheiten und für mehr Teilhabe wirksam sein. Endter betonte deshalb die Notwendigkeit einer breiten gesellschaftlichen Debatte über »Alter und Digitalisierung« und zeigte sich erfreut über die Tagung in Nürnberg, die sie als vorbildgebend für die Intention des Achten Altersberichts der Bundesregierung bezeichnete.

Digitale Vernetzung im Quartier steht auf der Agenda

In drei Arbeitsgruppen diskutierten die anwesenden Fachleute mögliche Auswirkungen der Digitalisierung auf die Pflege, bezüglich der Teilhabe und für die Quartiersarbeit. Dabei ging es jeweils auch darum, die Erwartungen an die Kommune zu konkretisieren und Zukunftsszenarien für Nürnberg zu entwerfen.

»Mit der Veranstaltung haben wir einen ersten und wichtigen Schritt gemacht«, resümiert Seniorenamtsleiter Dieter Rosner. »Weitere werden folgen. Wir werden uns nun vor allem mit dem Thema digitale Vernetzung im Quartier intensiver beschäftigen.«

Text: Georg Klietz