Im Gedächtnis einer Stadt, eines Landes und der Gesellschaft bleiben nur Persönlichkeiten, die in Archiven und Bibliotheken auffindbar sind. Gerade Frauen werden bei der Geschichtsschreibung leider noch zu häufig vergessen. Daher startete in München eine ungewöhnliche Aktion, die zum Mitmachen und Nachahmen einlädt. Eine Blogparade zum Mitmachen ist eine digitale Form der Würdigung von Künstlerinnen und anderen weiblichen Kreativen, die zu unrecht kaum jemand kennt. Sie soll bis zum 9.Dezember 2020 eine Lücke schließen.

Fotografie der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (Foto um 1875). Ausserordentliche Kraft, Begabung und Kreativität sind ihre Markenzeichen. Clara Schumann war Pianistin, Komponistin, Lehrerin und Herausgeberin, und sie war auch Mutter und Ehefrau. An sie erinnert ein Beitrag. Foto: epd

Mit einer Blogparade über Wakelet  werden Texte gesammelt. Initiatorin ist die Monacensia. Als „literarisches Gedächtnis Münchens“ möchte sie zusammen mit Blogger*innen, Wikipedianer*innen, Schüler*innen, Studierenden, Kolleg*innen aus Kulturhäusern und allen, die sich für Autorinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und ihre vielfältigen Netzwerke interessieren, die Frauen in die Kulturgeschichte der Stadt zurückschreiben. Der erste Beitrag, der einging, beschäftigt sich unter der Überschrift “Clara Schumann hat Null Bock” mit der Geschichte der begabten Kalviervirtuosin und den Städten Augsburg und München. Ende November sind 79 Texte verzeichnet. Bis zum Abschluss der gut gemachten Gemeisnchaftsaktion werden es sicher noch mehr werden.

Die Teilnahme ist ganz einafch und wird gut erklärt. Das Hashtag #femaleheritage steht für eine übergreifende Beschäftigung mit Kultur. Diese gesteht weiblich geprägten Perspektiven, Texten und Themen künftig eine ebenso wesentliche gesellschaftliche Bedeutung zu wie männlichen Sichtweisen und Lebenswirklichkeiten. Zugleich räumt sie dem weiblichen Vermächtnis entsprechenden Platz in der Erinnerungskultur ein.

Mögliche Fragen, die in einem eingereichten Text beantworten angesprochen werden können:

  • Welche Autorinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen, Fotografinnen, Wissenschaftlerinnen oder Aktivistinnen kennt Ihr? Was fasziniert Euch, was irritiert Euch? Was sollten andere von ihnen wissen, lesen oder sehen?
  • Welchen Frauen der Kulturgeschichte seid Ihr auf Euren Reisen, in Ausstellungen, Büchern, Filmen oder Theaterstücken begegnet? Warum beeindruckten sie Euch?
  • Gibt es literarische oder künstlerische Netzwerke früher und heute, deren Protagonistinnen aus der Erinnerung „gerutscht“ sind, an deren männliche Mitstreiter aber noch gerne erinnert wird?
  • Wie wird in Eurer Stadt an Frauen erinnert? Wie werden sie sichtbar gemacht – oder auch nicht? Wohnt Ihr vielleicht in einer Straße, die einer Frau gewidmet ist? Was macht das mit Euch?
  • Kennt Ihr Autorinnen, die über „Eure Stadt“ schreiben? Das Viertel, in dem Ihr lebt? Euer Schwimmbad? Euer Café? Euren Park? Stellt uns diese vor.
  • Wie steht Ihr zur aktuellen Genderdebatte, wie prägt sie Euren Umgang mit Sprache?
  • Welche Künstlerinnen, Autorinnen kennt Ihr, die im Exil lebten oder leben?
  • Was denkt Ihr als Autor*innen, als Kulturschaffende und Journalist*innen über das Thema? Wo seht Ihr Desiderate, wo Anknüpfungspunkte?
  • Welche Autorinnen habt ihr in der Schule kennengelernt?

Aufmacher-Foto: epd