Bürgermeister Christian Vogel mit einigen Erinnerungsstücken aus der langen Geschichte des Naturgartenbads. Foto: Stadt Nürnberg

Das Naturgartenbad wurde im Sommer 1921 eröffnet; vornehmlich zum Nacktbaden. Zum hundersten Geburtstag sind es vorwiegend die Kleinkinder, die textilfrei ins Wasser hüpfen. An der Anmutung eines Waldbads mitten in der Stadt hat sich jedoch seit der Gründung nur wenig geändert. Wie es sich für eine so traditionsreiche Einrichtung gehört, gratuliert Bürgermeister Christian Vogel, Erster Werkleiter von NürnbergBad: “Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, liebes ‚Natsger‘!“ der beliebten Freizeiteinrichtung Naturgartenbad, Schlegelstraße 20, in Erlenstegen. Er weist daarufhin, dass auch das Volksbad am Plärrer etwa um die gleiche Zeit entstanden ist. Beide Einrichtungen dienten der Hygine und Erholung der meist unter beengten Wohnverhältnissen lebenden Bevölkerung.

Die Geschichte der stimmungsvollen Badeeinrichtung in Erlenstegen begann in den bewegten 1920er Jahren, als die Großstädte wuchsen und sich den Menschen verschiedensten Lebensformen aufgeschlossen gegenüber zeigten. Die Freikörperkultur erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Aus zwei Publikationen wurde die Historie des Naturgartenbads in einer komprimierten Fassung erstellt und auf der Seite von NürnbergBad veröffentlicht. Daraus zitieren wir hier eine Auszug.

Bereits seit 1909 hatte der „Verein zur Verschönerung Erlenstegens“ immer wieder die Errichtung einer öffentlichen Badeanstalt angeregt, konnte das Projekt wegen hoher städtischer Auflagen und einer geplanten Regulierung der Pegnitz jedoch jahrelang nicht umsetzen. 1920 war es dann soweit: Der Kneipp-Verein, der Naturheilverein, der Versicherungsverein a.G. sowie der bereits bestehende Verein zur Förderung des Nürnberger Naturgartens schlossen sich zusammen zur „Gesellschaft Naturgarten Erlenstegen – Nürnberger Luft- und Sonnenbad und Erholungsheim GmbH“. Diese nahm die Planungen einer Erholungsstätte für die Nürnberger Bevölkerung auf. Im Vorstand der Gesellschaft, die unter „Ausschaltung jeden kapitalistischen Zweckes“3 der Erholung der Nürnberger Bevölkerung dienen wollte, engagierten sich Bankdirektoren, Ärzte und Rechtsanwälte.

Noch im Jahr ihrer Gründung legte sie die Pläne für eine Badeanstalt mit nach Geschlechtern getrennten Liegewiesen und Kabinen für das Licht- und Luftbad sowie einem Schwimmbad vor. Ein geeignetes Grundstück fand sich mit dem knapp fünf Hektar großen Meisenbach´schen Anwesen an der Günthersbühler Straße. Hier hatte sich eines der ältesten urkundlich erwähnten Anwesen Erlenstegens befunden, auf dessen Grund dann Anfang des 16. Jahrhunderts ein Herrensitz errichtet wurde, der später den Namen „Wölckernschlösschen“ erhielt. Hier lagen auch die beiden Erlenstegener Dorfweiher; an der Stelle des größeren der beiden schwimmen heute die Badenden im großen Becken des Naturgartenbades. Die nach der Errichtung des Bades nicht benötigten Gebäude des einstigen Herrensitzes wurden weiterverpachtet und die dazugehörige Mühle schließlich im Jahr 1930 abgerissen.

Neben einem städtischen Darlehen in Höhe von 500.000 Mark sollte die Finanzierung über Inhaberschuldverschreibungen gesichert werden. In ihrem Aufruf zur Zeichnung der Papiere pries die Gesellschaft den geplanten Naturgarten als eine „Pflanzstätte der Volkskraft“ an und bot als Gegenleistung Freikarten zum Besuch des Bades an.

Noch zur Sommersaison 1921 wurde der Badebetrieb aufgenommen. Und so konnten sich die Anhänger der Freikörperkultur ihrem Badevergnügen und ihren gesundheitsfördernden Übungen hingeben, während die Schaulustigen am Bretterzaun hingen. Seine idyllische Lage mit den weitläufigen Föhrenwäldern und die gute Erreichbarkeit dank der Anbindung an die Straßenbahn machten das Naturbad Erlenstegen zu einem Publikumsmagneten, der bereits in seinen ersten Betriebsjahren rund 40.000 Gäste verzeichnete. Die Becken hatten einen Sandboden und waren verschalt, beziehungsweise mit Brettern vertäfelt und ihre Ausmaße überstiegen die heutigen deutlich.

Im Jahr 1938 kaufte die Stadt Nürnberg die Anlage für 98.000 Reichsmark und verpachtete sie an den Kneipp-Verein e.V. In den Kriegsjahren herrschte zwar ein reger Badebetrieb, dennoch war der Kneipp-Verein auf zinslose Vorschüsse der städtischen Kämmerei angewiesen, da er keine Einnahmen aus Brezen- und Eisverkauf erzielen konnte. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 1941 beschädigte ein Hochwasser die Anlage schwer: Erdreich wurde abgetragen, Dämme weggespült und Hecken zerstört. Eine schnelle und vollständige Wiederinstandsetzung war wegen der Kriegssituation nicht möglich, was dazu führte, dass die Liegewiesen immer stärker versumpften und an heißen Tagen ein lästiger Geruch auftrat. Für das Jahr 1943 hingegen verzeichnete der Kneippverein schon wieder eine Steigerung der Besucherzahl um fast 11.000.

Die Nationalsozialisten stellten selbst die öffentlichen Badeeinrichtungen in den Dienst ihrer Ideologie. Wie alle anderen Gesundheitsvereine wurde der Kneipp-Verein auf Anordnung der Reichskanzlei im Jahr 1943 aufgelöst und ging im Deutschen Volksgesundheitsbund auf. Und so erhielt auch der Naturgarten Erlenstegen einen neuen Namen: Der „Gesundheitspark der Stadt der Reichsparteitage“ war Nichtariern und Angehörigen aller „Feindstaaten“ verschlossen, das Nacktbaden wurde verboten. So war in der Satzung zu lesen: „Aus dem Glauben an die Ewigkeit des deutschen Volkes und an die Unbesiegbarkeit des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches erwächst einem jeden Volksgenossen die Verpflichtung zur Gesunderhaltung und Reinhaltung der Rasse.“ Begleitet wurde diese Forderung mit Vorträgen durch Fachkräfte und so genannte Lebensordnungskurse.

Ein Jahr später führten erhebliche Fliegerschäden und die Nutzung der Schwimmbecken als Löschwasserbecken zur Sperrung des Naturgartens. Nach Kriegsende wurde die stark beschädigte Anlage von der Militärregierung beschlagnahmt. Immer wieder kam es dennoch zu Plünderungen, welche die wenigen noch vorhandenen Einrichtungen völlig zu zerstören drohten. Aber auch Forderungen nach einer Wiederinbetriebnahme des Naturgartens wurden laut, da sich schnell wieder die Klagen über wildes Baden entlang der Pegnitz häuften.

Bereits 1949 wurde eine behelfsmäßige Wiedereröffnung in Aussicht gestellt und ab Mai 1951 stand den Nürnbergerinnen und Nürnbergern zum Eintrittspreis von 30 Pfennigen ein, wenn auch immer noch provisorisches, Badevergnügen offen. Dies war umso wichtiger, als bald danach die Flussbäder Laufamholzhammer und Mögeldorf wegen der starken Verschmutzung der Pegnitz geschlossen werden mussten. 1952 erhielt das Bad ein Betonbecken, in das wenige Jahre später eine Kautschukfarbe aufgetragen wurde, um die Illusion einer seegrün schimmernden Wasseroberfläche zu erzeugen. Lautstarke Proteste gab es allerdings bald wegen der Einschränkungen der Liegeflächen aufgrund der sandigen Bodenverhältnisse und so wurde 1954 eine weitere Liegeböschung parallel zur Günthersbühler Straße, der sogenannte Rolexhügel, ausgewiesen. An heißen Tagen sollte sogar eine eigens eingerichtete Fahrradwache den weit verbreiteten Zweiraddiebstahl verhindern.

Hier geht es zum gesamten Beitrag bis in die Neuzeit.

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