Hello All,

in einer konfuzianisch geprägten Gesellschaft zu altern kann für Senioren von Vorteil sein. So sollten auch im modernen China die Alten besonderen Respekt und Rücksichtnahme erwarten dürfen. Doch der wohlmeinenden Tradition steht die unerbittliche Digitalisierung des urbanen Alltags entgegen. Z.B. bei der feinmaschigen Bewegungskontrolle im Zuge der Pandemieeindämmung. Deren Kern besteht aus einem QR-Gesundheitscode auf dem Smartphone. Nur wer auf dem Smartphone entsprechende Apps hochgeladen hat und aktuell einen grünen QR-Code vorweisen kann, darf sich frei bewegen; den Wohnblock verlassen, in ein Geschäft oder Amt gehen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Springt der individuelle QR-Gesundheitscode auf gelb oder gar rot, bleibt einem nur die Quarantäne oder Selbstisolation. Diesen Code färben staatliche Algorithmen, die das individuelle Risiko auf Grund von Bewegungstracking, Regionaldaten, Kontakten und aktiv einzugebenden Parametern tagesgenau berechnen.

Doch ohne Smartphone samt grünem QR-Gesundheitscode bleibt man z.Z. in China wortwörtlich auf der Strecke stecken – aus Sicherheitsgründen. Und hier endet jäh der konfuzianische Respekt vor den meisten Alten. Zumindest vor jenen 200 Mio. chinesischen Senioren ohne individuell zugeordnetem Smartphone*. Das betraf letztes Jahr ca. Dreiviertel aller über 60-Jährigen.  Was sie schützen sollte, wurde für das Gros der Senioren zur Falle. Ausgrenzung im engsten Sinne des Wortes für Dreiviertel einer ganzen Generation. So berichteten Medien* u.a. von einem Senior, der achthundert Kilometer zu Fuß über Landstraßen trotten musste, weil er von öffentlichen Verkehrsmittel ausgeschlossen war; oder von einer Rentnerin, die ihren Versicherungsbeitrag im Amt nicht einzahlen konnte: Kein Smartphone, kein Gesundheits-Code – kein Zutritt; kein konfuzianischer Respekt vor den Alten.

Ihr Global Oldie

*vergl. China Daily, 1. 7. 2020 ; CGTN vom 24. 11. 2020. : 254 Mio. chinesischer Senioren ab sechzig hatten weder eigenen Internetzugang noch Smartphone