Hello All,

als Sozial- und Marktforscher hatte ich jahrzehntelang Menschen und Märkte weltweit beschrieben. Mit filigranen Scherenschnitten aus Zahlen, Kennziffern und Wahrscheinlichkeitsbreiten. Anfangs mittels Lochkarten und stationären Computern, später mit mobilen Geräten. Ich hatte die Digitalisierung genutzt für Graphik, zum Aggregieren und Berechnen von Korrelationen und Trends. Auch zur Kommunikation mit Lieferanten, Kunden und unseren Auslandsbüros. Alles Digitales hatte intensiv nach beruflichem Ernst, Termindruck und komplexer Organisation geschmeckt.

Mit dem Ruhestand legte ich Aktentasche, Mobiltelefon und den Rechner ab. Dem Laptop räumte ich die Rolle der bequemen Schreibmaschine mit eingebautem Postamt ein. Genug vom technischen Gedöns. Als Privatier wollte ich die Welt ganzheitlich, mit allen fünf Sinnen erleben. Riechen, schmecken, hören, spüren, ohne Hilfsmittel. Durch die Welt mit offen Augen schlendern, so lange es geht. Besuche anstatt Anrufe. Reise statt Eile. Anfassen, anstatt zu lesen; spielerisch mitmachen anstatt experimentell angeordnet zu testen.

Als Antrittsgeschenk in den Ruhestand hatten mir die Kinder einen Tablett-Rechner und ein vollwertiges Smartphone geschenkt. Ich fremdelte anfangs mit den Dingern; ich dachte, ich wäre mit dem technischen Kram jetzt durch; befreit von Batterielaufzeiten, Updates und EDV-Verzweiflung.

Dann kamen Enkel, auf 10.000 Km verteilt; jetzt die Ausgehbeschränkungen.

Leute, was bin ich nun froh, dass ich auch privat digital geblieben bin. Dank an WhatsApp, SMS, FaceTime, Skype, E-Mail und Co. Dank an meine Kinder, die weitsichtig den Alten rechtzeitig gewappnet hatten, solche Zeiten der Trennung zu meistern. Gerade jetzt melden sich viele Freunde und Bekannte elektronisch, von denen ich lange nichts mehr gehört und gesehen hatte. Wohl viele durchforsten zurzeit ihre Adressdateien. Und melden sich.  Digitalisierung, ganz ohne scharfen Beigeschmack – was für ein Segen für uns Senioren!

Ihr Global Oldie