Jetzt schweigen sie, in Schuppen und Kellern, und man wird ihr Dröhnen auch im nächsten Herbst nicht mehr und bis ans Ende aller Zeiten nie mehr hören – dank Corona: die Gemeinen Laubbläser aus der Gattung der Unnützen Krachmacher, schon lange auf der schwarzen Liste der gemeingefährlichen Arten. In der Pandemiezeit wurden sie als Super-Spreader verdächtigt. Presseberichten zufolge können Laubbläser neben allen anderen Mikroben und Stäuben nämlich auch das Virus Covid 19 in die Atemwege wirbeln – und das schneller und effektiver als auf menschlichen Wegen, nämlich mit bis zu 220 Stundenkilometern!

Kein Wunder, dass im Herbst so viele Neuinfektionen gemeldet wurden. Hörte man sie doch wie jedes Jahr an allen Ecken röhren, die Gemeinen Laubbläser. Sie erschienen stets in Begleitung von muskulösen Männern in Arbeitsmonturen, die mit entschlossenen, ernsten Mienen ihre Mission erfüllten – ein Arm teleskopartig verwachsen mit einem Riesenföhn, aus dem mit Höllendezibel der Sturm-Gott strömte, um alles zu verwirbeln, was die Idee von der reinen freien Fläche störte. Tonnenweise Laub wurde so jährlich durch die Luft gewirbelt, an Orte, wo man es nicht braucht, damit die Stadt aufgeräumt aussah.

Die Symbiose Laubbläser/Mann musste auf den Menschen einen ähnlichen Effekt haben wie die dröhnenden Motoren von zwei- und vierrädrigen Rennmaschinen und einen Cocktail von Testosteron, Adrenalin, Serotonin und Dopamin ausschütten, der die Betreiber fühlen ließ wie Superman und James Bond in Personalunion. Sie meinten, mit Gedröhn die Welt vor der vollständigen Bedeckung mit Laub zu retten, unter dem das städtische Leben endgültig zugrunde zu gehen drohte, wenn es sie nicht gegeben hätte, die Helden am Bläser.

Sie werden mit den Entzugserscheinungen leben müssen, die Männer ohne Laubbläser, wenn dieser wegen der Corona-Gefahr endlich verboten und damit den Männerarmen entrissen wird – wenn es heißt: Laubbläser zu Asche und Laub zu Erde – wenn alles endlich wieder in seine natürliche Ordnung fällt und unsere Ohren statt Gedröhn nurmehr fein raschelndes Laub wahrnehmen – den Viren sei Dank.

Ihre Karin Charlotte Melde