Immer mehr Senioren leben in Deutschland. Aber steht auch genug altersgerechter Wohnraum für sie zur Verfügung? In Nürnberg könnte die Zahl der Menschen, die älter als 65 sind, bis zum Jahr 2035 auf rund 118.000 anwachsen. Ihr Anteil an der Bevölkerung läge dann bei 22 Prozent. Darauf hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hingewiesen und fordert mehr Anstrengungen bei der Schaffung seniorengerechter Wohnungen. Die Gewerkschaft meldete sich erst im November bundesweit zu diesem Thema zu Wort. Jetzt hat der Bezirksverband Mittelfranken eine Erklärung veröffentlicht.

„Lift statt Treppe, breitere Türen für Rollator und Rollstuhl, barrierefreie Duschen – nur ein kleiner Teil der Wohnungen in der Stadt ist für die rasant wachsende Generation Ü65 geeignet. Das muss sich ändern“, sagt Iris Santoro. Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Mittelfranken spricht von einer „demografischen Notwendigkeit“ angesichts der Entwicklung. Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine Demografie-Prognose des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft. Es müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß. „Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtigt wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, betont die Gewerkschafterin. Dieses Problem werde bereits jetzt durch die Corona-Pandemie verschärft, weil gerade ältere Menschen einen Großteil des Tages zuhause verbringen müssten. „Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“, macht Santoro deutlich.

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) biete mit ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ zwar Zuschüsse und Kredite. Das Fördervolumen von 150 Millionen Euro in diesem Jahr reiche aber nicht aus, kritisiert die IG BAU. Der Bund müsse die Förderung mindestens verdoppeln, um das Senioren-Wohnen voranzubringen. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus: Laut Haushaltsplan stehen für die altersgerechten Sanierung im nächsten Jahr nur noch 130 Millionen Euro zur Verfügung.

Gut zu wissen, dass es in Nürnberg eine Wohnraumberatung für ältere Menschen gibt. Die Kowab gibt kostenlos Auskunft über wichtigte Fragen rund um einen seniorengerechten Umbau.

Foto: IG Bau Mittelfranken