Allein zuhause am Bildschirm: In Corona-Zeiten treibt das Mitteilungsbedürfnis mancher Mitmenschen seltsame Blüten. Bild: tookapic/pixabay

In dieser Kolumne habe ich schon manchen depperten Schwank aus meinem Leben zum Besten gegeben. Aber nur vierteljährlich. Ereignisse wie analoges Kratzen am Ohr oder das Einpfeifen einer Tasse Espresso fielen da unter den Tisch.   

Seitdem man auf seine vier Wände zurückgeworfen ist, ist jedoch manches anders. Da werden plötzlich der Stuhlgang oder die Einnahme einer warmen Mahlzeit zu den Highlights des Tages. Schließlich ist es ja auch schön, wenn das alles noch geht. 

Kurze Rede, langer Sinn: Ich habe mir ernsthaft überlegt, bei der WMDEDGT-Aktion mitzumachen. WMDEDGT steht für: »Was machst du eigentlich den ganzen Tag?« Hier schildern Blogger schon seit sieben Jahren, was bei ihnen zwischen Aufstehen und Zubettgehen passiert. Bisher erschien mir derartiges Tagebuch-Bloggen immer ziemlich öde. Langweilige Leute, die langweilige Sachen treiben und dann aus lauter Langeweile noch darüber schreiben, wer braucht sowas? Ich nicht!  

Andererseits regt Langeweile mitunter zu ungewöhnlichen Handlungen an. »Heute habe ich einmal in meinem Spamordner ein bisschen rumgelesen«, schreibt da einer. Stimmt, könnte man mal machen. Man müsste dann aber auch gleich die dort angebotenen Viagra-Packungen oder Corona-Masken bestellen und dem nigerianischen Prinzen seine 10.000 Euro überweisen. Dann entstünden daraus möglicherweise auch Unterhaltungswerte. 

Letztlich habe ich mich, was WMDEDGT angeht, dann doch zurückhalten können. Wahrscheinlich ist die Zeit noch nicht reif, und ich bin noch zu infiziert von unseren Nachrichtenseiten und meiner Twitter-Timeline, wo mir täglich mitgeteilt wird, wer alles schwer erkrankt oder gar gestorben ist und wem man für anstehende Operationen die Daumen drücken soll. Da reicht mein Mitgefühlsreservoir nicht für ein »Ich bin nahe am Muskelkater«. 

Andererseits, wenn ich selber mal beinahe Muskelkater hätte, wäre das vielleicht realer als das Leid anderer, die ich sowieso vorerst nicht mehr treffen werde. Daheim bin ich schließlich mit mir und meinem Körper allein. Fast zumindest.  Denn da draußen ist ja noch eine Welt, in die ich über mein WLAN eine Botschaft posaunen und mir vorstellen kann, dass sie sie hört: ICH HABE MUSKELKATER! Also fast. 

Peter Viebig