Testlauf im Nürnberger Autokino am Marienberg, bevor es an den Start ging. Foto: Peter Krug

Aus den in Reih’ und Glied geparkten Autos kicherte es immer wieder. Was drinnen vor sich ging, war für Außenstehende kaum zu sehen. Denn jetzt im Dunkeln ließ es sich wahrlich gut munkeln. Kinos waren schon immer ein beliebter Rückzugsort für Liebespaare gewesen – Autos ebenfalls. Die perfekte Situation: Draußen flimmerte über die riesige Leinwand ein angesagter Film, drinnen, im Käfer, im Fiat oder im Familien-Opel, wurde nicht nur gebannt durch die Windschutzscheibe zugeschaut, sondern auch Popcorn geknabbert, viel gelästert, getuschelt – und natürlich geknutscht.

Autokinos sind heute fast in Vergessenheit geraten, gerade einmal 20 von einst 40 gibt es noch zwischen Flensburg und Berchtesgaden, darunter eines in Würzburg. Doch als am 31. März 1960 im hessischen Gravenbruch die erste Anlage eröffnete, galt dies als Meilenstein in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Oscar-gekrönte Streifen »Der König und ich« mit Yul Brynner und Deborah Kerr lockte das Publikum in Scharen an, rund 250.000 Besucher kamen in den ersten fünf Monaten zu diesem neuen »Spiel-Platz«. Die Kartenverkäufer steckten jedes Mal ihre Köpfe tief in die Autos, um zu sehen, ob sich auf der Rückbank nicht jemand versteckte, der sich als «blinder Passagier« die Kino-Karte sparen wollte.

Bis zu 1111 Autos in 14 Reihen

Am 7. Mai 1969 war es auch in Nürnberg soweit, als am Marienberg ein Autokino eröffnete – das elfte seiner Art in Deutschland. Geboten wurde zum Auftakt der Thriller »Die Lady in Zement«. Bis zu 1111 Autos konnten sich dort in 14 Reihen postieren, die Leinwand war 36 Meter breit und 15 Meter hoch. Der Nürnberger Architekt Georg Gerhard hatte das Areal geplant, das die Düsseldorfer Decla-Autokino-GmbH von der Tucher’schen Stiftung gepachtet hatte. 

Auch in Nürnberg standen zwischen zwei nebeneinander liegenden Stellplätzen in der Mitte die sogenannten Tonsäulen mit speziellen Halterungen für Lautsprecher und Heizlüfter an jeweils extra langen Kabeln, die man ins Innere der Fahrzeuge hängte. So war es auch in den kalten Monaten gemütlich warm im Wagen. Zum Jahresende 2002 schloss das Marienberg-Kino für immer, wie viele andere Autokinos auch, als das Internet seinen Siegeszug um die Welt antrat. Das erste Autokino in Gravenbruch existiert dagegen heute noch, und jetzt sollen auch in Nürnberg, unter anderem am Marienberg, wieder solche Kino entstehen. Denn soziale Distanz zu Mitbürgern lässt sich bei diesem Kinobesuch garantiert einhalten.

Text: Elke Graßer-Reitzner
Foto: NN-Archiv