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Fernsehverbot als Erziehungsmittel wirkt bis ins hohe Alter

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Sichtweisen. Das fiel mir kürzlich bei einer Nachbarin auf. Sie ist Erzieherin und von einer wohltuend bodenständigen Art. Ihre Kinder, inzwischen Mitte 20, sind gut gelungen. Bei der Ernährung wurde auf gesunde Kost geachtet. Bei der geistigen Nahrung auf nachhaltige Quellen wie Bücher und Zeitungen. Der Fernseher war lange Tabu. Später stand er auf dem Dachboden, angeschlossen zwar. Aber das gute alte Lagerfeuer TV glich eher einem ungemütlichen Camp.

Doch jetzt, ein Vierteljahrhundert später, ist die Nachbarin vom Glauben angefallen. Schuld war Star Wars. Denn die engagierte Erzieherin in einer Kindertagesstätte kann nicht mehr mitreden. Sie kennt einfach die wichtigsten Figuren nicht und damit auch nicht die Sehnsüchte ihrer kleinen Kundinnen und Kunden. Deshalb möchte sie jetzt diese Wissenlücke schließen. Doch Jahrzehnte Fernsehabstinenz lassen sich nicht so einfach nachholen. Schon gar nicht bei einem Genre wie den Raumfahrtfilmen. Es entstand eine lebhafte Diskussion, welche Filme sie sehen sollte. Die alten Folgen von Raumschiff Enterprise? Star Wars?

Ich erinnerte mich an meine Kindheit. Fernseher waren damals noch nicht in jedem Haushalt zu finden. Daher mussten man denjengen Spielgefährten glauben, die schon einen hatten und von den Filmen erzählten. Der Quotenhit war bei uns „Sprung aus den Wolken“. Ich glaube, ich habe niemals eine einzige Folge gesehen, doch als Spiel taugte es trotzdem. Wir sind immer auf die Mülltonnen geklettert, haben „Sprung aus den Wolken“ gerufen und sind hinunter gehüpft. Es war ein riesiger Spaß.

Später gab es dann Flipper, Lassie und Co. Geschadet hat mir das Fernsehen nichts, meine ich. Auch die Generation Teletubbis ist trotz aufgeregter Debatten unter den Erwachsenen ganz vernünftig aufgewachsen.

Inzwischen geht es um Internet-Konsum und Social Media im Kindesalter. Die Diskussionen laufen immer nach ähnlichen Mustern. Ich würde einen gemäßigten Konsum aller Medien bis ins hohe Alter empfehlen. Dann kann man mitreden, versteht seine Enkel und hat am besten noch Spaß dabei. Oder?

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