Am 10. März hat Irina Paul in den Nürnberger Nachrichten einen Artikel über im Wohlstand verwahrloste Kinder geschrieben, also über Kinder, die alles im Überfluss haben, ganz und gar nicht arm sind, aber eben doch “arm dran”. Sie schildert die Lebenssituation eines 10-jährigen Jungen aus einer gut situierten (Vorzeige-) Familie, der nicht nur alles hat, sondern auch alles bekommt, was er sich wünscht oder worauf er gerade Lust hat.

“Arm dran” ist er dennoch. Seine Mutter ist häufig beruflich unterwegs, sein Vater scheint mit der Erziehung seines Sohnes überfordert zu sein. Grenzen setzt der Vater keine. Der Junge kann z.B. bis in die Nacht am PC oder mit einem seiner Smartphones spielen, er nimmt seine Mahlzeiten oft alleine in seinem Kinderzimmer ein (die Eltern essen abends lieber, wenn der Junge schon im Bett ist), er isst, was der Kühlschrank hergibt und eben auch viele Süßigkeiten. Kein Wunder, dass er in den letzten Monaten ordentlich zugenommen hat. Mit der Schule klappt es auch nicht besonders gut, die erste Klasse hat er wiederholen müssen, weil sich niemand um seine Hausaufgaben gekümmert hat.

Tatsächlich sind solche Fälle von “Wohlstandsverwahrlosung”  nicht neu. Allerdings gibt es keine Zahlen dazu, wie häufig Kinder aus gut situierten Familien sich selbst überlassen, vernachlässigt und extrem auffällig werden. Oft sind es Kinder von Eltern, die sehr viel arbeiten und viel Geld verdienen, den Familienalltag aber kaum noch organisieren. Schlechtes Gewissen, Schuldgefühle und doch der Wunsch der Eltern “geliebt” zu werden, können Gründe für den überbordenden materiellen Überfluss sein.

Die Großeltern sind über diese Entwicklung ihres Enkelsohnes sehr besorgt und meinen, dass er (entsprechend einem fachlichen Rat) in einem Internat am besten aufgehoben sein könnte. Aber ist das die Lösung, wenn es doch eigentlich “nur” um Zuneigung, Geborgenheit, Vertrauen und Verlässlichkeit geht?