vignette_mielenzOb ein Kind als erstes, zweites oder drittes Kind in einer Familie geboren wird, prägt seine Charaktereigenschaften und beeinflusst sein ganzes Leben. Der amerikanische Psychologe Dr. Kevin Leman nennt die Charakteristika der Kinder in der Geschwisterreihenfolge zugespitzt (und ziemlich pauschal) so: Erstgeborene sind perfektionistisch, Mittelkinder drücken sich und die zuletzt Geborenen, die Nesthäkchen, tanzen aus der Reihe (elternwissen.com). Unbestritten ist, dass neben den Eltern auch die Geschwister erheblichen Einfluss auf das Verhalten der Kinder haben.
Das älteste Kind hat bis zur Geburt des zweiten die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern. Durch besondere “Tüchtigkeit” wollen die älteren Kinder diese zurückgewinnen. Sie gelten als verantwortungsvoll und überlegen und manchmal spielen sie diese Überlegenheit den jüngeren gegenüber aus. Die älteste Schwester wird von den Eltern allerdings gerne mal als “Kindermädchen” herangezogen.
Mittelkinder, die Zweitgeborenen also, sind oft unbekümmert und experimentierfreudig. Jedoch stehen sie in ständiger Konkurrenz zu dem älteren Geschwister (wie auch zu dem Jüngeren). Die Abgrenzung zum Älteren kann dazu führen, dass sich Zweitgeborene (oppositionell) zum Gegenteil des Erstgeborenen entwickeln, ganz besonders dann, wenn sie gleichgeschlechtlich sind.
Nesthäkchen werden nicht selten von den Eltern (und Geschwistern) verwöhnt, dabei kann es schon mal zu Eifersüchteleien der Geschwister untereinander kommen. Die Kleinsten bleiben “das Baby”, das sich um nichts kümmern muss und erwartet, dass es umsorgt wird.
Alles zwar einprägsame, aber völlig überholte Erklärungsmuster der Geschwisterbeziehungen, sagen die modernen Sozialforscher. Vielmehr müssen heutzutage das Lebensalter der Geschwister, die Lebensphasen und die jeweiligen Familienkonstellationen berücksichtigt werden. Im stetigen Wandel der Familien- und Geschwisterbeziehungen gibt es kaum verlässliche Variablen, den Charakter und das Verhalten von Geschwisterkindern vorherzusagen.
Wenn dem so ist … fallen mir zwei Ereignisse ein: Meine Freundin, die Älteste von vier Geschwistern, heiratete den “kleinen Bruder” von drei älteren Schwestern. Die Ehe hat gerade mal drei Jahre gehalten, zu eingeprägt die verschiedenen “Rollen”.
In einer uns sehr lieben Familie, in der wir auch Wahlgroßeltern sein könnten, gibt es vier Kinder. Die älteste Tochter ist 11 Jahre alt. Als sie nach ihren kleineren Geschwistern die Spielsachen aufräumen sollte, weil sie ja die “Große” ist, verschwand sie mit lautem Protest.