vignette Hello All, Political Correctness, das artige Verhalten im Sinne der angesagten Leitkultur, ist mühselig. Besonders im multikulturellem Kontext. Ein älterer Herr hilft einer jüngeren Dame in den Mantel. In Deutschland gerade noch OK; in gewissen Kreisen überschattet vom Verdacht, dass sich da einer ran macht. In China benimmt man sich damit vermutlich daneben. Weil Seniorität die Galanterie, jene milde Seite des Sexismus, sticht. Bedeutet z.B., dass die / der Jüngere dem/ der Älteren die Tür aufhält, egal welchen Geschlechts. Das geht gut, solange der Altersunterschied augenfällig ist. Nur tun sich Asiaten und Europäer schwer, das Alter anderer Ethnien zu erkennen. Europäer schätzen Ost-Asiaten oft wesentlich jünger ein – und vorenthalten somit einem/er tatsächlich Älteren die gebührenden Respektsbezeugungen. Z. B. beim Grüßen oder im Gespräch. Was letztere verdrießlich stimmt und zum Vorurteil führt, Weiße, vor allem die Jüngeren, seien halt zivilisatorisch nicht ganz auf der Höhe. Umgekehrt kränken Asiaten Europäer bisweilen ungewollt, weil sie diese älter einschätzen, als sie sind. Z.B. peinlich, wenn es sich um eine westliche Dame handelt, die an ihrem jugendlichen Appeal mit erheblichem Aufwand, offensichtlich vergeblich, gearbeitet hatte, weil sie wie eine Seniorin behandelt wird. Deutlich wird dieser interkulturelle Konflikt auch an der Wahrnehmung des Bordpersonals in Flugzeugen. Asiatische Fluglinien setzen junge, meist gut aussehende Damen als Flugbegleiterinnen ein. Singapore Airlines warben zeitweise mit Stewardessbildern in eng geschneiderter Cheongsam- Kostümen, untertitelt mit „Fly me!“ Nach monatelangem Aufschrei westlicher Kreise ob des blanken Sexismus, wurde das „F- Wort“ aus der Werbung genommen. Die jungen Damen blieben in der Werbung und Kabine. Wo sei das Problem, wenn junge Flight Attendants mit deren perfektem Service für im allgemein älteren Fluggäste werben würden, wunderte man sich offiziell in Singapur; vermutlich nicht ohne Augenzwinkern. An Bord US- amerikanischer Fluggesellschaften hingegen verrichten viele Flugbegleiter/innen auch jenseits der Mitte Fünfzig ihren Dienst, einige mit rüder Abgebrühtheit, andere mit gelassener Souveränität des Gastgebers. Manche bis Mitte Sechzig. In China gehen, je nach Branche, Frauen ab Mitte Fünfzig, Männer ab Sechzig in den Ruhestand. In Blogs und Leserbriefen* berichten chinesische Flugreisende, wie seltsam es sich für sie anfühlt, von jemandem wesentlich Älteren unter den erschwerten Bedingungen an Bord bedient zu werden. Unwürdig bis menschenverachtend (Menschenrechte) sei es, Menschen im gehobenen Alter nächtelang durch die Stratosphäre malochen zu lassen. Chinesischer Kultur entsprechend würden sie lieber solchen Senioren in Uniform den eigenen Sitzplatz anbieten, damit sich diese alterskonform ausruhen könnten. Man stelle sich dieses Ansinnen mal realiter vor. Junger chinesischer Fluggast erhebt sich und bietet der lebenserfahrenen Stewardess seinen Gangplatz an. So wie ich Lage einschätze, käme es zum Eklat an Bord. Eventuell gefolgt von einer Millionen US Dollar schweren Klage der gekränkten Flugbegleiterin wegen Altersdiskriminierung. Von wegen, “war doch nur gut gemeint” im Sinne der Leitkultur.
Apropos Leitkulturen aus dem konfuzianischen oder islamischen Raum: Darin genießen Alte hohen Respekt und Rücksichtnahme. Hat doch was, oder?
Ihr Global Oldie
*siehe z.B. R. Zhou in der China Daily vom 19.4. 2014