vignette_mielenzMit dieser Überschrift fand ich in der BRIGITTE 16/2015 einen Artikel von Merle Wuttke zu den Fragen, ob Kinder überhaupt noch nackt herum toben dürfen oder ob sie doch lieber was anziehen sollten? Und: Dürfen unsere Kinder uns nackt sehen? Ihr Fazit: “Die perfekte Antwort habe ich nicht, allerdings bin ich auch nicht auf dem Weg, total verklemmt zu werden”.

Wir Großeltern kennen in der Regel unsere Eltern nicht nackt, mein Mann hat seine Mutter nie unbekleidet gesehen. Prüderie und Scham haben diese Generation geprägt. Unsere Kinder haben wir deshalb “natürlich” erzogen, schließlich lernen Kinder durch ihre Eltern, wie sie Nacktheit zu bewerten haben. Überdies haben kleine Kinder meistens einen Riesenspaß, nackt durch die Wohnung zu toben, im Garten, im Planschbecken oder unter dem Rasensprenger, im Freibad und am Strand in diesen heißen Sommertagen sowieso. Was anziehen? Nein, das wollen sie nicht. Unser Badezimmer haben wir nie abgeschlossen, um Nacktheit so normal wie möglich zu leben und für die Kinder erlebbar zu machen.

Inzwischen hat sich aber was verändert? Vorbei mit kindlicher Unbeschwertheit und Unbefangenheit? Es scheint eine neue (alte?) Scham aufzuleben und das in einer Zeit, in der wir auf Werbeplakaten und in Zeitschriften mit der Nacktheit von Menschen tagtäglich konfrontiert werden. In Elternforen im Internet gibt es endlose Debatten, ob man Kinder noch nackt herumlaufen lassen kann und wenn ja, bis zu welchem Alter? Viele Eltern sagen ohne Einschränkungen ja, “Warum denn nicht?”; manche meinen nur in der Wohnung und im eigenen Garten und wieder andere sagen, Kinder müssen vor den Blicken Fremder geschützt werden, sie sollten immer bekleidet sein, auch wenn sie noch ganz klein sind.

Die “perfekte” Antwort auf diese Fragen gibt es wohl wirklich nicht. Der Schutz der Kinder ist ein ernstzunehmendes Anliegen. Der Schutz vor falscher Scham und Prüderie allerdings auch.