vignette2012 Hello All, als Einwohner Ontarios (Ostkanada) erhält man zum 80. Geburtstag ganz besondere Post von der Regierung: Eine Einladung – zum „Elderly Driving Test“, Fahrertest für Ältere. Zu dieser speziellen Sause soll der automobile Senior mitbringen: Führerschein, Brille, Sehhilfe, Antragsformular, Trinkwasser, etwas zum Essen und genügend Zeit. Und dann macht er/sie es sich mit den anderen eingeladenen Jubilaren gemütlich. Alles weitere auf Staatskosten: Die Laudatio ersetzt ein 90 minütiger Vortrag, in dem die Seniorenfahrer auf den Stand der neueren Verkehrsregeln gebracht und mit den Auswirkungen des Alterns auf das Fahrvermögen vertraut gemacht werden. Es folgen individuelle Spiele mit einem Betreuer: Hörtest, die Aufforderung, eine Uhr auf „11:10“ zu stellen und zeitnah in einer Buchstabenreihe alle „H“s zu markieren. Wer bei diesen Übungen auffällt, darf noch einen Fahrtest unter Beobachtung und in Begleitung absolvieren und ein ärztliches Attest nachreichen. Die erfolgreichen Senioren erhalten als nachträgliches Geburtstagsgeschenk eine neue Fahrlizenz. Zusammen mit der festen Zusage, sich ab diesem Zeitpunkt alle zwei Jahre zum gleichen Anlass wiederzusehen. Auch so kann man im Alter wieder Zeitmarkierungen setzen und Kontakte knüpfen.
So umsorgt wie in Ontario wird man noch nicht in allen Provinzen Kanadas betreut. Beim südlichen Nachbarn, in den USA, genauer gesagt, in Kalifornien überlässt man die Fürsorge in Sachen Fahrsicherheit bürgernah dem sicherheitsbewussten Nachbarn. Jeder Bürger kann beim „California Department of Motor Vehicles“ (so eine Art Verkehrsministerium) das Formular „DS699“ anfordern. Um „unsicheres Fahren eines Dritten, z.B. älteren Angehörigen, Nachbarn, Patienten (!)“ diskret und für den Verdächtigten unsichtbar, bei der Behörde zur näheren Überprüfung anzuzeigen.- Auf diese Idee sind noch nicht einmal bei uns die stets besorgten Gutmenschen gekommen. –
Ich habe nicht gehört oder gesehen, ob es ebenfalls ein entsprechendes Formular zum Anzeigen für das unsichere Hantieren mit Feuerwaffen in der Nachbarschaft oder im Familienumkreis gibt. Das finde ich tröstlich und fair. Alte, die in Kalifornien den Führerschein dank eines fürsorglichen Tipps aus der Nachbarschaft oder vom Onkel Doktor verlieren, können dann die zusätzliche Freizeit mit dem (offen zu tragenden) Schießeisen zu Hause oder im Freien verbringen. Andere Länder, andere Sitten.
Ihr Global Oldie