Ich gebe es zu, ich habe es gerade bei Wikipedia nachgeschaut: Die Midlife-Crisis ist 40 Jahre alt. Na ja, besser gesagt, der Begriff. Er wurde erstmals 1974 von der amerikanischen Autorin Gail Sheehy in ihrem Buch „In der Mitte des Lebens“ geschaffen. Nun hat die Zeit den Menschen in der Lebensmitte ein Denkmal gesetzt (siehe hier), denn die 1964 geborenen Deutschen sind so zahlreich wie kein Jahrgang vor ihnen. Das muss natürlich thematisiert werden. Ein Schelm, der dabei Böses denkt, nämlich beispielsweise, dass man hier der Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis ins Greisenalter den Boden bereitet.
Wer die 50-jährigen als die besten aller Mitarbeiter anpreist, weil sie schon über viel Erfahrung verfügen, aber noch den nötigen Schwung für Veränderung und Neubeginn haben, der zeichnet zunächst einmal ein sehr schmeichelhaftes Bild. Hier ist nichts mehr zu spüren von der Verzagheit der vorhergehenden Midlife-Crisis-Generation, die sich fragte, ob das Beste am Leben für sie schon vorbei sei.
So weit, so gut. Doch die 50-Jährigen möchten auch einmal aus dem Hamsterrad des Brotverdienens und des Erwerbslebens aussteigen. Sie haben Wünsche und Träume, die nicht unbedingt in der Steigerung des Bruttosozialprodukts münden. Kommt Ihnen das nicht vertraut vor? War das nicht auch so in der Midlife-Crisis? Manche haben dann den radikalen Bruch vollzogen. Heute geht das friedlicher ab.
Deswegen hoffe ich, dass diese Generation die Freiheit besitzt, ihren dritten Lebensabschnitt so zu gestalten, dass er erfüllt ist und trotzdem auch zufrieden macht. Viele Menschen jenseits der 60 machen sich noch auf eine große Reise oder beginnen ein neues Hobby, ein neues Engagement. Sie machen zum Teil schon vor dem Ruhestandsalter Platz für Jüngere, auch wenn dies mit finanziellen Einbußen verbunden ist. Ich finde, man sollte diese Generation nicht nur als die erste sehen, die länger im Berufsleben steht als die Generationen vor ihr, sondern auch als eine, die gelernt hat zwischen materiellen Werten und immateriellen Werten zu unterscheiden. Ich meine, es ist ein spannender Prozess, der sich da gerade abzeichnet und freue mich auf die Diskussion über die neue Definition der Lebensmitte.
Übrigens hat unser Namenspate Udo Jürgens da einen ganz hoffnungsfroh stimmenden Ansatz. Seine neueste Tournee heißt „Mitten im Leben“ und der Mann ist schon deutlich über 70.
Eine Antwort
Weil ihr so viele seit, liebe Babyboomer, und euch medial (ja, auch in 66) so richtig feiert, merkt ihr nicht, dass auch ihr die Krise kriegt oder schon hinter euch habt: Schaut euch doch mal die Scheidungszahlen an, dann wisst ihr, das Phänomen hat heute nur einen anderen Namen. Und wer Personen erleben will, die ziemlich unfreiwilllig ausgestiegen sind, der braucht sich nur durch die diversen Talkshows klicken. So romantisch geht es bei euch auch nicht zu.