vignette_fargelHello All, „Meine Mutter ist 80 Jahre alt und möchte einen Facelift. Ist sie zu alt für eine solche Operation?“, fragt jemand im amerikanerischen Internetforum „Realself“. Bis dato haben 24 Ärzte geantwortet, mit dem Grundtenor, dass das nicht eine Frage des Alters, sondern des allgemeinen Gesundheitszustandes sei. Und absolut im Trend, liebe Freunde; trotz gewisser Unwägbarkeiten aber sicheren Kosten. Die britische Hospitalkette Spire Turnbridge Wells berichtet, dass in Großbritannien während der letzten 5 Jahren die Nachfrage nach plastischer Chirurgie bei den Männern über 65 um 168%, bei den gleichaltrigen Frauen um 303% gestiegen sei; bei den über siebzig Jährigen Frauen noch um 133%, bei entsprechend alten Männern um 175%. Laut der American Society for Aesthetic Plastic Surgery haben sich in der Zeitspanne 2005 -2010 in den USA 680.000 Menschen jenseits der 65 solchen Eingriffen unterzogen. In absoluten Zahlen sind bei kosmetischen Operationen die US-Amerikaner noch weltweit führend. Jedoch pro Kopf gerechnet führen Südkorea (jetzt wissen Sie, wieso einige so ähnlich wirken), Griechenland (aha, da liegt deren Geld vergraben), Italien (siehe Silvio Berlusconi), Kolumbien und Brasilien (die sparen sich dafür Winterkleidung). Im Gegensatz zu den Jüngeren, die sich meist Nase, Brust und Bauch wunschgerecht gestalten lassen, zielen die Senioren eher auf Glätten der Gesichtshaut und des Halses.
Und warum?
Bei den jungen Senioren in den USA und Asien stehen teilweise handfeste Motive dahinter: Ihre Lebensarbeitszeit verlängert sich. Eine solide empirisch belegte Erkenntnis lautet: Wer besser aussieht, der macht schneller Karriere, verdient mehr und ist besser vernetzt. Im Beruf sehen sich Ältere der Konkurrenz mit Jüngeren ausgesetzt. Die Älteren wollen weiterhin dynamisch und leistungsfähig wirken, um Chefs, Mitarbeiter und Kunden für sich zu gewinnen.
Ein weiterer Anlaß ist die oft berichtete Entfremdung vom inneren Selbstbild und dem allmorgendlichen Spiegelbild: „Das kann unmöglich ich sein, wer mich da ansieht!“. Bei der Abwägung, ob es Zeit sei für eine chirurgisch unterstützte Auffrischung, kommen ein strammes Portmonaie, etwas Mut und ein Schuss (verletzter) Narzissmus zusammen. „Ich möchte so aussehen, wie ich mich fühle“ – und das hießt in solchen Fällen: Nicht so verschlissen und müde, wie der Körper sich gibt. Hinzu kommt das Bedürfnis, sich auf dem sozialen Parkett Vorteile zu sichern; die selbst im Alter noch recht umzugsfreudigen Amerikaner müssen sich in den neuen Umgebungen wieder neue Freundschaften und bisweilen neue Verpaarungspartner suchen – da mag ein verbessertes Aussehen helfen, siehe oben. Ja früher, da konnte man im Alter noch mit Bildung, Klavierspielen oder “Altersmilde” gesellschaftlich punkten… Moderne Zeiten. Moderne Beweise der alten Liebe liefern jene amerikanischen Paare, die sich gegenseitig zu runden Hochzeitstagen oder zur Pensionierung „a face job“ (eine Gesichtsoperation) schenken. Aber besagt dieses „Darling, ich schenke Dir ein neues Gesicht!“ im Klartext nicht etwa „Honey, ich kann Dein altes Gesicht nicht mehr sehen?“. Ganz schön mutig, so ein Geschenk. Da bekommt der Spruch “Altern ist nichts für Feiglinge” eine weitere Bedeutung.
Wie auch immer: Hier ein Anlagetipp (ohne Gewähr): Aktien von Schönheitskliniken in den o.g. Ländern, oder von Herstellern von Botox. Das scheint weltweit ein absolut krisenresistenter Markt zu sein, siehe Griechenland und Italien. Womit die Eingangsfrage in der Überschrift beantwortet sei, wozu das Ganze: Zur Sicherheit im Alter, weltweit.
Ihr Global Oldie
P.S. Übrigens: Deutschland scheint in dieser Hinsicht hinterher zu hinken. Also noch könnten Sie im Freundeskreis Pionierarbeit leisten!