vignette_mielenzAm 23.6.2013 vermeldet DIE WELT online “Die Ganztagsschule ist eine große Mogelpackung”. Diese Aussage wird in einem ausführlichen, nachdenklich stimmenden Beitrag zur Betreuungssituation von Schulkindern an Ganztagsschulen begründet. Auch die gerade im Wahljahr viel beschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht DIE WELT durch Ganztagsschulen nicht gewährleistet – im Gegenteil.
Während die Versorgung von unter 3-jährigen Kindern in Kinderkrippen mit dem ab August geltenden Rechtsanspruch in Politik und Medien immer wieder thematisiert wird, spielen Schulkinder und ihre Betreuung kaum eine Rolle.
Dabei wären 6,7 Mio. Schulkinder im Alter von 6 bis 14 Jahren zu versorgen, denen allerdings nur 2,8 Mio Plätze zur Verfügug stehen, d.h. zwei Drittel der Schulkinder bleiben unversorgt. D.h. aber auch, dass mit dem Schulbeginn für die Familien das eigentliche Drama der Kinderversorgung erst richtig beginnt. Nur jede 6. Mutter mit schulpflichtigen Kindern kann einer Vollzeit-Arbeit nachgehen, manche müssen der unzuänglichen Betreuungsstuation an Grundschulen wegen ihre Berufstätigkeit wieder aufgeben.
Die Lösung dieser Probleme wurde vielerorts in der Schaffung von Ganztagsschulen gesehen, nicht nur aus bildungsplitischen Gründen sinnvoll, sondern auch zur Entlastung der Familien. Dafür haben einige Bundesländer ihre Kinderhorte zur Betreuung von Schulkindern aufgegeben (z.B. NRW, Berlin), andere Bundesländer sind noch dabei (z.B. Bremen).
Doch was bietet die Ganztagesschule wirklich? Viel Verlässliches ist nicht herausgekommen: Nur jede dritte Grundschule ist eine Ganztagesschule (Schule am Vormittag, danach die sogn. Nachmittagsbetreuung), es gibt große regionale Unterschiede, die Nachmittagsbetreuung, die überhaupt nur an drei oder vier Tagen in der Woche stattfindet, endet i.d.R. (pünktlich) um 16.00 Uhr, Flexibilität ist nicht gegeben, die drei Monate Ferienzeiten werden eher selten oder überhaupt nicht durch Betreuungsangebote überbrückt.
In Köln sind 5.700 Hortplätze weggefallen, die durch Betreuungsplätze an Schulen, also durch Ganztagesschulen ersetzt wurden. Dadurch hat die Stadt viel Geld gespart, die Probleme von Schulkindern und Familien aber eher nicht gelöst?