Die Neuordnung der Pflegeberufe soll dem Fachkräftemangel in Heimen entgegen wirken. Foto: epd

Die Möglichkeit für Auszubildende, zwischen den Bereichen zu wechseln, wird dadurch erleichtert. Die Ausbildung in der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege bleibt erhalten. Die Auszubildenden werden zwei Jahre lang generalistisch geschult. Im dritten und letzten Jahr können sie wählen, ob sie einen generalistischen Abschluss anstreben oder sich auf Alten- beziehungsweise Kinderkrankenpflege spezialisieren wollen.

Zur konkreteren inhaltlichen Ausgestaltung der Ausbildung erstellen das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesfamilienministerium im nächsten halben Jahr eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, die sie dem Bundestag zur Entscheidung zuleiten. Damit sind alle Mitwirkungsrechte des Parlaments gesichert. Sechs Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes wird die Entwicklung bewertet. Haben sich mehr als die Hälfte der Auszubildenden für den generalistischen Abschluss und gegen eine Spezialisierung entschieden, kann der Bundestag darüber entscheiden, ob er den Abschluss in der Alten- und Kinderkrankenpflege abschafft.

In dem Gesetz werden erstmals pflegerische Aufgaben definiert, welche für die Pflegequalität und den Patientenschutz von besonderer Bedeutung und deshalb allein dem Pflegepersonal vorbehalten sind. Durch die Festschreibung der Kompetenzen wird das Berufsbild deutlich aufgewertet. Die neue Berufsausbildung steht weiterhin Schülern mit einer zehnjährigen abgeschlossenen Schulbildung offen. Das Schulgeld entfällt künftig für alle Auszubildenden. Auch bei Umschulungen zur Pflegekraft übernehmen die Arbeitsagenturen und Jobcenter zukünftig die Lehrgangskosten dauerhaft. Bislang war dies zeitlich befristet.

Dazu erklären der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Georg Nüßlein, und die gesundheitspolitische Sprecherin Maria Michalk: “Vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels in der Pflege und einer sinkenden Zahl an Schulabsolventen ist eine Stärkung und Aufwertung des Pflegeberufs dringend erforderlich. Zudem verändert sich der Pflegealltag immer schneller. Die Zahl der Menschen in Pflegeeinrichtungen, die chronisch krank sind oder an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden, nimmt zu.”

Kritisch sieht die pflegebranche die Reform. Dazu Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege: ,,Mit diesem höchst dilettantischen Machtwerk haben es die verantwortlichen Koalitionspolitiker geschafft, dass für alle Pflegeazubis, alle, die sich Gedanken machen, ob sie den Altenpflegeberuf erlernen wollen, alle Pflegeschulen, die ausbildungswilligen Unternehmen, ja die gesamte Altenpflegebranche nun eine ungute und lange Phase der totalen Verunsicherung beginnt. Die für die Umsetzung alles entscheidende zentrale Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ist nach wie vor nicht fertig. Über die soll erst der neue Bundestag Mitte 2018 abstimmen. Da wurde jetzt im Bundestag über eine sprichwörtliche Katze im Sack abgestimmt. Fehlender politischer Konsens wird so auf miese Art und Weise durch ein Spiel auf Zeit überbrückt.” Der Arbeitgeberverband Pflege setzt nun darauf, dass nach der Wahl im September eine neue Bundesregierung die vielen Fehler dieser Reform korrigiert. Greiner: ,,Ohne Korrekturen an der Pflegeberufereform wird sich der Fachkräftemangel sonst weiter gefährlich verstärken. Und das ginge eindeutig zulasten der Pflegebedürftigen. Ich appelliere deshalb an die Mitglieder im Bundesrat, die notwendigen Änderungen einzufordern.”

Der Sozialverband SoVD begrüßt die von der Bundesregierung geplante Reform der Pflegeberufe. “Eine gerecht finanzierte Ausbildung ist unverzichtbar, um die Attraktivität des Pflegeberufes zu steigern”, erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer. “Es ist ein großer Fortschritt, wenn das Schulgeld in der Pflege künftig entfällt. Dies gilt insbesondere mit Blick auf das Werben um Auszubildende. Denn es ist absehbar, dass sich der Wettbewerb um geeigneten Fachkräftenachwuchs insgesamt verschärfen wird. Die Pflege darf dabei nicht ins Hintertreffen geraten. Dies ist eine zentrale Voraussetzung, um langfristig auch die Qualität in der Pflege zu verbessern. Und hier besteht noch ein enormer Handlungsbedarf, wie Untersuchungen belegen”, betont Adolf Bauer.