Hello All, immer wieder fische ich mir bisher geläufige Begriffe auf, die – das ist das Schmerzliche –  den heutigen Jüngeren etwas ganz anderes bedeuten. Und mir verklaren, dass ich von Vorgestern bin. Zum Beispiel „Gig“. In meiner Jugendliteratur war die Gig ein Beiboot, mit dem Seehelden  vom Schiff aus übersetzten. Später, als Twen lernte ich ein Gig als Kurzengagement von Musikern zu schätzen; mal als Vorprogramm, mal als Lückenbüßer. Während also die Gig im Ozean schwappte und der Gig auf einer Bühne swingte, sitze ich heute in einem Café mit freiem WiFi/W-Lan-  und bin von Giggern umgeben. Merkmal: Mittzwanziger, Dreitagebart, Kapuzenpulli oder T-Shirt, Laptop und Smartphone vor sich aufgeklappt. Auch Pizzaboten, Uberfahrer und Airbnb-Vermieter entpuppen sich als Stammesmitglieder der „Gigger“. Gigger sind digital entfesselte Menschen, die weder an einen Chef, festen Arbeitsplatz, Arbeitsvertrag noch an sonstige berufliche Verpflichtungen gebunden sind. Ihre unsichtbare Nährmutter ist eine der zahllosen Internetplattformen oder Apps, die die Dienste der Gig- Anbieter vermitteln, koordinieren und abkassieren.  Digitale Tagelöhner, die anstatt am Straßenrand mit Pappschild „mache alles im Garten“ sich über einen Algorithmus grenzenlos anbieten. Übersetzen, Programmieren, Recherchieren, Redenschreiben, Websiteentwürfe aus Capetown, Jamaika, Wuhan oder Antalya. Das ist gar nicht zum Lachen, Kichern – oder eben  angelsächsisch„giggeln“.  Bei emsigen deutschsprachigen SMS- Versendern bedeutet „gig“ übrigens „ganz innige Grüße“. In diesem Sinne, werte Leser: gig!,

Wie immer, im steten Ringen mit dem weltweiten Fortschritt,

Ihr Global Oldie