Ältere Langzeitsarbeitslose haben es in vielen europäischen Ländern schwer. Foto: epd

Ältere Langzeitsarbeitslose haben es in vielen europäischen Ländern schwer. Foto: epd

Regina Kohnle-Seidl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAB, hat die Tendenzen und die Integration von Menschen, die lange Zeit ohne Beschäftigung waren und sind in Deutschland, Großbritannien, Österreich und Dänemark miteinander verglichen (“Kein Ptentrezept ind Sicht. Integration arbeitsmarktferner Personen im Ländervergleich”) . Neben vielen Bereichen, die schwierig zu vergleichen sind, da die Messmethoden und/oder Ausgangspunkte in den Ländern sehr verschieden sind, hier einige wichtige Ergebnisse:

– In Deutschland werden mehr Menschen mit sozialen und gesund­heitlichen Einschränkungen zu den Langzeiterwerbslosen gezählt, als in den Vergleichsländern.

– Die Zahl der Langzeiterwerbs­losen in Deutschland ist im Vergleich mit anderen europäischen Ländern seit 2006 deutlich zurückgegangen. Von etwa 2,4 Mio. auf 900.000.

– Ween Erwerbslose in Deutschland aber erstmal länger als zwölf Monate erwerbslos, sind sie dies auch sehr lange.

– Geringe Qualifikation, hohes Alter und/oder gesundheitliche Einschränkungen sind nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen untersuchten Ländern die Risikofaktoren, die in die Langzeitarbeitslosigkeit führen können.

– Der Anteil von Menschen, die im Alter zwischen 25 bis 64 Jahren aus gesundheitsbedingten Gründen nicht mehr am Arbeitsprozess teilnehmen, liegt in Deutschland bei 3% (4% Vorruhestand) der gesamten Erwerbsbevölkerung. In Dänemark lag er 2013 bei mehr als 7%, in Österreich befanden sich mehr als 8% in Frührente.

– Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, lebt in Deutschland mit einem hohen Risiko irgendwann der Langzeiterwerbslosigkeit anheim zu fallen.

– Schwer vergleichbar sind die Reintegrationsmaßnahmen in den verschiedenen Ländern: So gibt es in den skandinavischen Ländern und den Niederlanden öffentlich geförderte Beschäftigungs­möglichkeiten, während Großbritannien auf Betreuung durch private Dienstleister setzt.

– So richtig erfolgreich ist aber keines der vorgestellten Modelle.

Die Autorin sieht angesichts doch recht ernüchternder Zahlen in den Vergleichsländern keine Patentrezepte in Sicht. Sie schlägt zur besseren Integration des „harten Kerns“ von Langzeiterwerbslosen in Deutschland vor, Instrumente des Sozialgesetzbuches IX – sie regeln die Rehabilitation und die Teilhabe behinderter Menschen – auch für gesundheitlich eingeschränkte Langzeitarbeitslose stärker einzusetzen.