Hürdenlauf für Behinderte. Foto: epd
Hindenislauf für Rollstuhlfahrer. Foto: epc
Barrierefreiheit ist eine wesentliche Voraussetzung, damit alle Menschen gleichberechtigt am Leben teilhaben können. Das erklärt die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) unmissverständlich. In Deutschland stoßen Menschen mit Behinderung jedoch noch immer auf unüberwindbare Hindernisse. Bestehende rechtliche Vorgaben sind oft unzureichend oder zu unverbindlich. Das muss sich ändern!

Mit konkreten Forderungen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen richtet sich der VdK 2016 mit seiner Kampagne an die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen. Herzstück der Kampagne ist die “Landkarte der Barrieren”. Mitmachen ist einfach: Wer eine Barriere entdeckt, trägt sie auf dort auf der Landkarte ein. Der VdK wird besonders ärgerliche Barrieren öffentlich machen und bei den Verantwortlichen nachhaken.

Der Sozialverband VdK fordert deshalb: Durch klare gesetzliche Regelungen müssen Wohnungen, Verkehrsanlagen und -mittel sowie alle privaten Güter und Dienstleistungen endlich für alle zugänglich werden.

Barrierefreiheit umfasst mehr als Rampen, abgesenkte Bordsteine oder die Tonsignale an der Ampel. Barrierefreiheit bedeutet: Alle Aspekte unseres Lebens müssen so gestaltet sein, dass sie die Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigen und damit auch von Menschen mit dauerhaften körperlichen, seelischen, kognitiven oder Sinnesbeeinträchtigungen genutzt werden können. Das gilt für öffentlich zugängliche Gebäude, Wohnungen und medizinische Einrichtungen ebenso wie für Verkehrsmittel, Straßen und Plätze, aber auch für Informations- und Kommunikationsmedien.

Warum ist Barrierefreiheit wichtig?

Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht. Wann immer Menschen auf Hindernisse stoßen, bleibt ihnen die volle Teilhabe an der Gesellschaft verwehrt – und damit ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden, eine freie Berufswahl oder die Gestaltung der Freizeit nach ihren Interessen. Nicht nur Rollstuhlfahrer, blinde oder hörgeschädigte Menschen und Menschen mit Lernschwierigkeiten sind auf Barrierefreiheit angewiesen. Eine Welt ohne Barrieren nutzt uns allen: einer wachsenden Zahl Älterer ebenso wie kleinen Kindern, Eltern mit Kinderwagen und allen, die vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder nur wenig Deutsch sprechen.

Wo ist das Problem?

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert ein Ende der Benachteiligung. Eine wesentliche Voraussetzung ist die Beseitigung von Barrieren aller Art. Auch Deutschland hat sich dazu verpflichtet. Aber: Rechtliche Vorgaben werden oft nicht umgesetzt oder fehlen ganz. Häufig bleibt es dem Zufall überlassen, ob ein Angebot für Menschen mit Behinderung zugänglich ist. Vor allem beim Wohnen, im Verkehr und bei privaten Angeboten und Dienstleistungen gibt es dringend Nachholbedarf. Wir erkunden das Weltall, erklimmen die höchsten Berge und sind mit der ganzen Welt vernetzt – aber Menschen im Rollstuhl kommen noch nicht einmal zum Zug? Das muss sich ändern! Denn auf ein Leben ohne Barrieren sind schon heute Millionen Menschen angewiesen.

Warum geht mich das an?

Barrierefreiheit ist für jeden Zehnten unentbehrlich, für jeden Dritten notwendig und für uns alle komfortabel. Die Zahlen sprechen für sich. Was aber viele verdrängen: Wir alle können von heute auf morgen darauf angewiesen sein. Nur 4 Prozent der Behinderungen sind angeboren – aber schon 25 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren sind dauerhaft in ihrem Alltag eingeschränkt, durch Krankheiten oder chronische Beschwerden. Tendenz: steigend. Barrierefreiheit geht uns alle an. Und sie rechnet sich! Investitionen kurbeln die Wirtschaft an und sparen – allein durch die Vermeidung teurer Heimpflege – Sozialausgaben in Milliardenhöhe. Gute Gründe, sich jetzt für ein barrierefreies Deutschland einzusetzen.

Aufruf des vdk