Manchmal sind es die Hundertjährigen, die einem langsam unheimlich werden. Einer von ihnen erstürmte gerade die Bestseller-Listen. Jetzt sind mir innerhalb von wenigen Tagen zwei 74-Jährige untergekommen, die sich gar nicht ihrem Alter entsprechend benommen haben. Einer wurde beim Rauschgiftschmuggeln erwischt. Mit 74 Jahren! Wer denkt denn, dass so ein Senior sich auf kriminellen Abwegen befindet. Gut, der Mann ist seit langem der Polizei als Drogenkonsument bekannt. Tja, wenn man zurückrechnet, dann muss er vor 50 Jahren, als die Hippiezeit gerade ihren Höhepunkt erlebte, Mitte 20 gewesens ein. Dass so ein Mensch seine Gewohnheiten nicht einmal im Alter ändert, das gibt mir zu denken. Und wie wohl die Jugendlichen Haschischkonsumenten auf einen grauhaarigen Dealer reagieren?
Ich weiß, darüber sollte man sich nicht lustig machen. Aber Stoff für einen Film gäbe das schon. Ob der Mann aus Fürth damit seine Rente aufgebessert hat? Bestimmt. Wahrscheinlich ist das ungefährlicher als mit 74 Jahren Taxi zu fahren. Jetzt habe ich in der Zeitung gelesen, dass ein Fahrgast das Schlimmste verhinderte als sein Taxi-Chaffeur wahrscheinlich einen tödlichen Herzinfarkt erlitten hatte.
Sieht so ein Ruhestand aus? Ich glaube weder in dem einen noch in dem anderen Fall. Zyniker könnten sagen, hier handelt es sich um ein Modell der Zukunft: arbeiten bis zum Umfallen. Wahrscheinlich hatten beide Menschen keine ausreichende Altersicherung.
Vielleicht lebten sie aber auch nach dem Motto: Wir werden nicht alt, sondern bleiben wie wir sind – bis zum Tod.