Vor ein paar Tagen stutzte ich, als ich an einer Ampel wartete. Ich beobachtete Passanten und mir fiel ein älteres Paar ins Auge. Beide trugen große Sonnenbrillen. Ich dachte mir, früher hätte es das nicht gegeben. In meiner Kindheit gab es kaum Sonnenbrillen. Mein Vater trug eine, die er auf die normale Brille gegen Kurzsichtigkeit draufstecken konnte. Das ist inzwischen völlig aus der Mode gekommen.
Dass meine Großmutter, Jahrgang 1903, eine Sonnenbrille getragen hätte, ist mir auch unvorstellbar. Wie sich das wohl mit ihrem Omadutt vertragen hätte?
Das hat sich gründlich geändert. Sonnenbrillen kosten selbst mit geschliffenen Gläsern nicht mehr die Welt. Früher hat man dann eben einen Hut getragen und die Krempe beschattete die Augen. Das war eigentlich ganz praktisch und schön sah es auch aus. Aber der Hut ist weitgehend verschwunden. Nur noch ältere Herren tragen einen Strohhut und manche Frau. Allerdings meist nur in Frauenzeitschriften. Auf der Straße sehe ich so etwas höchst selten. Eigentlich schade, denn Strohhüte gehören irgendwie zu meinem Bild vom Sommer, Sonnenbrillen natürlich auch. Und ich freue mich natürlich, wenn ältere Menschen mit der Zeit gehen und eine tragen. Ihren Augen tut das bestimmt auch gut, denn ich kann mir vorstellen, dass die Augen empfindlicher werden mit dem Alter.
Was mich allerdings massiv stört, ist die Form der aktuellen Sonnenbrillenmode. Das war vor vierzig Jahren schon scheußlich und schaut jetzt auch nicht besser aus. Ich glaube, ich warte lieber noch einen Sommer ab und hoffe, dass wieder andere Modelle als die mit übergroßen runden Gläsern angeboten werden. Oder ich kaufe mir eine Schirmmütze. Aber die sind auch verschwunden. Nicht einmal mit dem Schirm nach hinten tragen sie noch welche.