Hello all,
woran erkennt man nachmittags in Shanghai einen Kindergarten schon aus der Ferne? An den vielen Alten, die grüppchenweise auf dem Bürgersteig vor dem Eingang plaudernd zusammenstehen. Erziehungsomas und Opas im Einsatz, millionenfach.
Chinesen sind pünktlich, doch zum Kindergarten kommen sie gerne überpünktlich. Auch um die Gelegenheit für ein gutes Schwätzchen zu nutzen. Chinas Wirtschaftboom braucht jene engagierten Großeltern. Ein häufig gelebtes Familienmodell in den Großstädten Chinas funktioniert wiefolgt: Die jungen Leute heiraten mit Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig, das oft einzige Kind – es gibt legale Ausnahmen – wird mit Mitte Dreißig geplant, zu dem Zeitpunkt, an dem die Eltern und Schwiegereltern zwischen Fünfzig und Sechzig in Rente gehen. Zig- Millionen kleiner Chinesen wachsen heute überwiegend in Obhut der Großeltern und des Kindergarten auf, von Früh bis Abend, von Montag bis Freitag.
Eine reine Mutter- und Hausfrauenrolle ist in China laandesweit unüblich. China’s Wurzeln in Agrarwirtschaft, sechzig Jahre Sozialismus, gute Berufschancen für die gleichrangig gut ausgebildeten Frauen, Drang nach höhderem sozialem Status und ökonomische Zwänge sorgen dafür, daß über 80% aller erwerbsfähigen Frauen Chinas meist sogar Vollzeit arbeiten.
Was vielen Großeltern eine volle zweite Elternzeit beschert. Der tief wurzelnde Familiensinn und die noch geringe regionale Mobilität begünstigt dieses Modell. Aber nicht konfliktfrei, was Erziehungsinhalte und Stile angeht. Die Wertvorstellungen der jungen und alten Chinesen klaffen wesentlich weiter auseinander als hierzulande. Darüber ein andern Mal.
Übrigens, es gibt für Westler bisweilen ein weiteres gutes Erkennungszeichen für einen Kindergarten in China: Es steht neben den chinesischen Schriftzeichen auch “KINDERGARTEN” darüber. So deutsch, wie auch auf einigen Automobilplakaten “Vorsprung durch Technik” prangt. “Kindergarten” – ein deutscher Exportschlager? Vielleicht sollten wir mal welche aus China re-importieren….
Ihr Oldie Global