Unter der scheinbar glatten Oberfläche brodelt es. Das hat nun ein Autor des Berliner Tagesspiegel Matthias Kalle feststellen dürfen. Der Journalist hat sich nämlich über das rüpelhafte Benehmen Älterer mokiert. Der Mann hat Nerven, denn er zeigt sich auch noch im Foto. Darauf ist ein sensibler, nicht mehr ganz junger Mann zu erkennen, der sich wahrscheinlich gerne aufregt. Diesmal trifft es die alten Menschen, die sich scheinbar rücksichtslos in die U-Bahn hineindrängeln, anstatt zu warten bis alle ausgestiegen sind. Na, wenn das mal nicht für ein U-Bahn-Benutzungsverbot nicht unter einer Woche reichen würde.
Doch damit nicht genug. Die Senioren gehen auch noch einkaufen. Und das bevorzugt am Samstag, wenn die sensiblen Berufstätigen auch an der Supermarktkasse stehen. Wahrscheinlich zählen sie dann noch ihr Kleingeld liebevoll in die Hand der Kassierin, während der im Freizeitstress befindliche Mittdreißiger ungeduldig von einem Fuß auf den anderen tritt.
Wenn der Mann keine anderen Sorgen hat, dann müsste er eigentlich glücklich sein. Besonders freuen dürften ihn die zum Zeitpunkt des Verfassens meines Textes 146 Kommentare, die sein öffentliches Aufstöhnen generiert hat.
Die Leute, die sich da zu Wort melden, haben meist mehr Humor als der Autor und sehen die Dinge durchgehend gelassener als der Journalist. So meinen manche, dass die Rentner gar nichts dafür können, dass sie erst am Samstag an der Supermarktkasse ankommen, denn sie seien einfach so langsam, selbst wenn sie viel früher loslaufen. Ich war übrigens auch gerade in Berlin und habe keinen einzigen unfreundlichen Rentner dort getroffen.
Der Aufruf “Rüpelnde Rentner benehmt Euch” tut weh, weil er vor Intoleranz strotzt. Schön, dass die Leser da ein gutes Gegenwicht bilden und zeigen, dass ein Zündeln im Miteinander der Generationen auf den Brandstifter zurückschlägt. Mal sehen, ob der Tagesspiegel am Thema bleibt. Matthias Kalle sollte jedenfalls für die nächste Zeit lieber auf Auto und Fahrrad umsteigen.