Das vergangene Jahr habe ich zu meinem persönlichen Leonard Cohen Jahr gemacht. Ich hatte von einem guten Freund eine DVD ausgeliehen, die den 77-Jährigen bei seiner letzten Weltournee 2010 zeigte und eine Doppel-CD von seinem Auftritt in Berlin lag unter dem Weihnachtsbaum.

Auf seiner Internetseite habe ich mir ein vor ab veröffentlichtes Stück seiner neuen CD Old Ideas angehört und jetzt ist sie offiziell gestartet. Was mich aber neben den neuen Stücken des “Erotikers von Welt” wie ihn die Zeit nennt, am meisten freut: die viele Würdigungen, die jetzt in den Medien erschienen.
Denn lange dachte man gar nicht mehr an den Mann mit der tiefen Stimme, der das rätselhafte Lied über Suzan geschaffen hat und noch viele andere poetische Stücke.
Für mich ist es kein großes Wunder, warum Leonard Cohen immer noch für ein Gänsehautgefühl sorgt, doch umso überraschter war ich, als mich eine Freundin Anfang 40 verständnislos fragte, warum Männer und Frauen jenseits der 50 aus dem Häuschen sind, wenn sie seine Songs hören. Hallo, überträgt sich Erotik nicht über Generationengrenzen hinweg? Sind es nicht dieselben Signale, die man in seiner Interpretation hört? Offenbar nicht. Das finde ich interessant. Dabei hat das ausnahmsweise wohl mal gar nichts mit frühkindlicher Prägung zu tun, eher wohl mit einer im Teenager-Alter. Wenn man bedenkt, dass vor gut 100 Jahren ein nackter Fuß, von einer Schauspielerin auf einer Theaterbühne gezeigt, einen Skandal auslöste, wie unter anderem Tilla Durieux in ihrer Biografie schreibt, dann versteht man, dass offenbar auch das besondere Timbre in der Stimme von Leonard Cohen nur eine gewissen Altersgruppe erotisiert. Das aber tut sie wirklich, selbst wenn seine neuen Lieder eher von Altersweisheit tropfen und daran erinnern, dass ein Leben endlich ist. Aber, und darin ist Leonhard Cohen ganz fortschrittlich, es ist ein Leben, in dem Liebe bis zum Schluss eine Rolle spielt.