Die Zukunftsstiftung der Britisch American Tobacco hat bei einer Befragung zur Kinderfreundlichkeit der Länder in Europa herausgefunden, dass Deutschland (vor Russland) auf dem vorletzten Platz liegt. Da mache ich mir als Großmutter doch wirklich Sorgen um die Zukunft unserer Enkelkinder, die in einem zu Kindern (und Familien) so unfreundlichen Land heranwachsen müssen.
Befragt wurden 15.000 Europäer, die ihre Einschätzungen zur Kinderfreundlichkeit ihrer Länder abgegeben haben. Es ging also offenbar nicht um den Vergleich von Daten und Fakten zur Familienpolitik in den verschiedenen Staaten Europas (das wird übrigens regelmäßig von dem Europäischen Statischen Amt erhoben), sondern um Meinungen. Anders ist eigentlich nicht zu erklären, warum Länder wie Italien und Griechenand im “Ranking” vordere Plätze belegen.
Vergleicht man nur Italien (Platz 6) und Deutschland (Platz 13) hinsichtlich der staatlichen Ausgaben für Familien, dann steht Italien bei der Bewertung eher schlecht, vielleicht sogar sehr schlecht da. In der Bewertung aller Leistungen für Familien erreicht Italien gerade mal den Faktor 1,3 %, Deutschland dagegen den Faktor 3,0 %, d.h. soviel Geld gemessen am Bruttoinlandsprodukt (alle Ausgaben eines Staates) wurde 2006 in Italien bzw. Deutschland ausgegeben. Deutschland erreicht damit den 3. Platz, Italien ist weit “abgeschlagen”.
Nach den Angaben des Bundesfamilienministerium hat Deutschland 2006 168 Milliarden € für Familien ausgegeben- viel Geld für viele direkte und indirekte Leistungen, die zu durchschauen ziemlich schwer fällt. Wichtig ist, dass die direkten Geldleistungen für Familien den ganz überwiegenden Anteil haben (76 %).
Vielleicht ist das ja genau das Problem: in Deutschland geht zu viel Geld an die Familien direkt (Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld, Steuererleichterungen u.a.m.) – wovon kaum einer was “merkt” – und zu wenig in die Infrastruktur zur Betreuung von Kindern. Ist das kinderunfreundlich?
Ach Übrigens: Obwohl Italien ja als soviel kinderfreundlicher eingeschätzt wird und es sehr viel mehr Krippenplätze gibt , liegt die Geburtenrate ähnlich niedrig wie in Deutschland.
Bleibt die Erkenntnis, dass wir zur Einschätzung der Ergebnisse von Meinungsumfagen genauer hinsehen müssen, um die richtigen Folgerungen daraus zu ziehen?