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falls sich noch jemand traut, „Leitkultur“ zu beschreiben: zum Arsenal der hispanischen Kultur gehörten dann  auch „piropos“. Das sind – oder waren früher – galante Komplimente, von Mann zu Frau. Einseitig, in dieser Richtung. So definiert es noch heutzutage die renommierte spanische “königliche Akademie der (spanischen) Sprache“.  Während der jüngeren Jahre meiner Generation gehörte es sich, der Herzensdame piropos zukommen zu lassen. Sei es romantisch wie „Ich wusste nicht, dass Sterne auch auf der Erde strahlen“ oder launig wie „Verzeihung, haben wir nicht einen gemeinsamen Bekannten, der uns vorstellen könnte?“

Besonders in Südspanien galt auch ein über die Straße zugerufenes piropo wie „jetzt wird uns Viertel lebenswert!“ als nette Geste. War so gemeint und kam auch so an. Freundinnen tauschten sich über erhaltene piropos aus. Versiegte allmählich die Häufigkeit von empfangenen piropos, galt dies als Vorbote der Menopause. An verbale Belästigung hatte man nicht gedacht. Es sei denn, die piropos wurden doppeldeutig, anzüglich oder unpassend zur Situation. Piropos als Ausdruck althergebrachter hispanischer Balzkultur tun sich unter „gender correctness“, Sexismusvermutungen und als mögliches Belastungsmaterial bei #metoo- Enthüllungen heute schwer.  Von Bilbao bis Feuerland schien diese Tradition zu versiegen. Doch im Gegenzug der Gendergleichberechtigung sind nun spanischsprachige Internetsites aufgekommen, die Frauen Tipps geben, dem Mann oder Partnerin passende piropos zuzuwerfen; neckisch, bestätigend, einladend. Im Sinne von „sag doch mal wieder was Nettes“. Besonders ergiebig: Südamerikanische Sites, mit  teilweise recht frechem Ohrenfutter für die Machismusverdächtigen.  Fast wie in alten Zeiten – nur eben gegenseitig.

Ihr Global Oldie