Nur eine Minderheit möchte nicht zu Hause, sondern in einem Heim die letzten Jahre verbringen. Foto: djd/ErgoDirekt

Nie zuvor wurden die Bundesbürger so alt wie heute. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kann ein 60-jähriger Mann heute auf knapp 21 und eine Frau sogar auf 24,7 weitere Lebensjahre zählen. Die Schattenseite des demographischen Wandels: mit der Zahl der Hochbetagten steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen stark an, 2050 könnten schon 4,5 Millionen Bundesbürger davon betroffen sein, etwa doppelt so viel wie heute.
72 Prozent setzen auf den Partner oder Angehörige
Diese dramatischen Zahlen verfehlen ihre Wirkung nicht: Immer mehr Bundesbürger machen sich Gedanken, wie sie sich ihre eigene Pflege oder die Pflege ihrer Eltern im Falle eines Falles vorstellen. TNS Emnid wollte im Auftrag der Ergo Direkt Versicherungen wissen, wie die Deutschen – aus allen Altersgruppen – im Fall der Pflegebedürftigkeit am liebsten versorgt würden. Das eindeutige Ergebnis: 72 Prozent möchten am liebsten zu Hause vom Partner oder von Familienangehörigen gepflegt werden, nur 17 Prozent bevorzugen das Heim mit seinen Fachkräften, acht Prozent könnten sich die Pflege daheim durch eine professionelle Pflegekraft aus Osteuropa vorstellen.
Ein weiteres sehr interessantes Ergebnis brachte die Umfrage: Während 54 Prozent der Männer am liebsten von ihrer Ehefrau gepflegt würden und nur 23 Prozent lieber von anderen Familienmitgliedern, ist es bei den Frauen genau umgekehrt. 43 Prozent bevorzugen die Pflege durch ein Familienmitglied – auf die Betreuung durch den Ehemann setzen dagegen nur 25 Prozent.
Entlastende Angebote für pflegende Angehörige
So angenehm es für die Pflegebedürftigen ist, zu Hause betreut zu werden, so anspruchsvoll ist diese Aufgabe für die Familienmitglieder selbst. Oft überschätzen sich Ehepartner oder Kinder dabei und sind am Ende selbst so erschöpft, dass sie krank werden oder fremde Hilfe brauchen. Heike Bohnes, unabhängige Sachverständige für Pflege aus Aachen, ist der Ansicht, dass im Grunde niemand in der Lage sei, die Pflege eines Angehörigen auf Dauer ohne Unterstützung allein zu bewältigen. Umso wichtiger sei es, sich mit den finanziellen Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung und Pflegezusatzversicherungen effektiv entlasten zu lassen.
Heike Bohnes weist auf konkrete Möglicheiten externer Hilfe hin: “Man kann sich bei der Pflege etwa von einem Pflegedienst unterstützen lassen oder eine Tagespflege in Anspruch nehmen.” Wenn die Pflegeperson Urlaub mache oder wegen Terminen an der Pflege gehindert sei, könne der Pflegebedürftige beim Pflegedienst oder bei der Tagespflege die Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen.
Geänderte Rechtslage
Seit dem 1. Mai 2011 hat sich auch die Rechtslage für Vollzeitkräfte, welche die Pflege rund um die Uhr übernehmen, geändert. Heike Bohnes erläutert das neue Recht: “Nun gilt die so genannte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Pflegekräfte aus Osteuropa beispielsweise können jetzt mit den Pflegebedürftigen direkt Arbeitsverträge abschließen.” Dadurch entstehe ein reguläres Arbeitsverhältnis mit Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht.