Es ist wieder soweit. Heute früh beim Bäcker standen fast nur Männer Schlange. Nein, nicht die Kinder. Die hatten wohl schon ihren Blumenstrauß für die Mutter gepflückt, oder im Kindergarten eine Kleinigkeit gebastelt, die sie dann zum Frühstück mit glänzenden Augen überreichten.
Das ist rührend und ich kenne keine Mutter, egal welchen Alters, die sich nicht über Aufmerksamkeit freut.
Aber die Aufmerksamkeit, die diesem Tag seitens der Geschäfte inzwischen gewidmet wird, die stößt mich ab. Es stimmt nicht, dass diese Würdigung aller Mütter und ihrer Leistungen von den Nazis erfunden wurde. Nein, es kam wie so vieles aus Amerika. Die Nazis haben sich dieses Gedankens nur bemächtigt und ihn für ihre Zwecke eingespannt. Doch daran erinnern sich viele Seniorinnen noch gut. Etliche mögen allein deswegn den Tag nicht.
Mütter mittleren Alters sind inzwischen genervt von dem ganzen Kommerz. Nicht mehr die Botschaft, dass Mütter Anerkennenswertes in der Gesellschaft leisten, steht im Mittelpunkt, sondern die vielen Möglichkeiten, mit einem Geschenk danke zu sagen. Ob Pralinen, das ganze Sortiment der Wohlfühlindustrie von Parfüm über Schaumbad bis zum Gutschein für einen Wellnesstag: alles schön, aber überflüssig.
Die meisten Mütter, die ich kenne, und das ist ganz gleich, welcher Generation sie angehören, möchte die Aufmerksamkeit ihrer Lieben nicht auf einen Tag konzentriert, sondern freuen sich über Nettigkeiten, die über das Jahr verteilt sind.