Es ist nur eine kleine Meldung, aber ihre Wirkung ist beachtlich. Sie zwingt zum Nachdenken. Ein einst einflussreicher Mann, Eberhard von Brauchitsch, ist gestorben. In einem der wenigen Nachrufe, die ich im Netz gefunden habe, geht der Autor der Wochenzeitung “Die Zeit” nicht so sehr auf die Art ein, wie der Mensch seinem Leben ein Ende setzte, sondern würdigte seine Vita. Eine mit vielen dunklen Ecken. Schließlich steht sein Name für einen der größten Bestechungsskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Auch als Flick-Affäre ins kollektive Gedächtnis eingegangen.
Was mich beschäftigt ist die Tatsache, dass von Brauchitsch gemeinsam mit seiner Frau seinem Leben ein Ende setzte. Beide waren Anfang 80, waren krank und wohl auch müde.
Die Tochter wusste, so wie sich die Meldung liest, von dem Schritt.
Das finde ich an dem Umstand das berührenste. Wie würde ich darauf reagieren, wenn meine Eltern so einen Plan präsentieren oder ihn zumindest andeuten würden?
Vor nicht allzu langer Zeit führte ich zu diesem Thema ein Gespräch mit einem Klinikpsychologen. Der vertrat die Meinung, Suizid sei auf keine Fall ein Ausweg aus Krankheit und Altersmüdigkeit. Vielleicht trägt der Freitod des Ehepaars Brauchitsch dazu bei, dass dieses Thema mehr ins öffentliche Bewusstsein gelangt.
Den Kommentatoren, die sich im Online-Auftritt der Zeit dazu äußern, ist aber mehr an einer Abrechnung mit dem Toten gelegen. Die Beiträge meisten fallen extrem knapp aus. Den Suizid hat bisher noch niemand dort thematisiert.