vignette_nosseck_bockEigentlich wollte ich den polemischen Artikel in “Der Zeit” (siehe hier) ignorieren. Aber dann hat mich eine Freundin darauf angesprochen, die sich genauso geärgert hat wie ich. Also greife ich das Thema doch auf, zumal es in der aktuellen Ausgabe vom 25. April eine Erwiderung zu finden ist.
Eine Autorin hatte sich nämlich darüber geärgert, dass die Menschen jenseits der 50 viele wichtige Stelle in Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Medien einnehmen anstatt den Jungen Platz zu machen. Angeblich sei die “Babyboomer”-Generation, also die Geburten starken Jahrgänge 1956-1960 überproportional häufig in führenden Positionen zu finden. Da kann ichn nur sagen: Jung sein an sich ist kein Qualitätskriterium. Wer also in jungen Jahren bereits eine außergewöhnliche Begabung hat oder gute Kontakte, der setzt sich auch so durch.
Alle anderen lernen durch Erfahrung und eventuell Weiterbildung. Und selbst dann werden nicht alle Chefs. So ist das nun mal.
Gerade die Generation 50 plus musste sich lange gedulden, bis sie eine Chance erhalten hat. Zunächst haben die Alt-68er sich so gefreut, mit Mitte 50 doch noch bei ihrem langen Marsch druch die Institutionen ans Ziel gekommen zu sein und wollten das auch nutzen. Dann gab es plötzlich eine Jugendlichkeitswahn, der auf die nach folgende Generation zurückgriff. Und nun die digitale Revolution, die allen mit Mitte 20 einen enormen Schub verleiht. Dafür ist die Autorin, wahrscheinlich Angehörige der Generation Praktikum auch schon wieder zu alt.
Was bleibt? Ein Generationenmix in allen gesellschaftlich relevanten Institutionen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Die Replik auf den Artikel habe ich leider noch nicht im Netz gefunden. Aber sie ist lesenswert, weil sie die subjektiv empfundene Ungerechtigkeit und vermeintliche Chancenlosigkeit in einen soziologischen Kontext stellt. Das ist wichtig, substanslose Klagen über zu wenig Einfluss der 30 bis 40-Jährigen wie im eingangs zitierte Artikel sollte man einfach überblättern.