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Orientierungsverlust im Supermarkt

Hello All,

in Sachen Altern halte ich mich für keinen ausgeprägten Angsthasen. Doch ich mache Ausnahmen. Z.B. bei der Vorstellung, dass mich eines Tages die Altersdemenz einholt. Ich mutiere zum Hypochonder, wenn mir aufstößt, was ich alles im Handumdrehen vergesse. Oder wenn mich mein bisher zuverlässiger Orientierungssinn im Stich lässt.  Im Wald oder im Supermarkt. Mit dem einen wesentlichen Unterschied, dass der Wald seine Bäume, Wege und Felsen nicht ständig umräumt.  Wenn auf vertrauten Wanderrouten durch den Forst in mir Unsicherheit aufkommt, ob ich noch richtig unterwegs bin, werte ich das als Warnsignal.

Bei meinem Supermarkt um die Ecke hingegen schwanke ich noch, wessen Opfer ich bin. Sind es mentale Abbausymptome oder Heimtücke seitens des Shop-Managements, um sich der imageschädigenden zu vielen Senioren unter der Kundschaft zu entledigen? Jener Supermarkt wäre eigentlich ideal: Zehn Fußminuten entfernt, mit überwältigender Angebotsvielfalt, geräumig, hell und preiswert. Seit dreißig Jahren gehe ich dort einkaufen; ich sollte mich also auskennen und zielsicher meinen Einkaufszettel abarbeiten können. Damit ich möglichst wenig verdächtige Aerosole atme, schnell wieder aus dem Geschäft und aus der Gesichtsmaske komme. Dieses Streben scheitert jedoch zunehemend an meinen Irrungen und Wirrungen zwischen den Regalen. Wo ich noch kürzlich Brotaufstriche fand, stehen nun Backwaren. Die Zeile mit Hygiene- und Zahnpflegeprodukten hat im Laufe eines Jahres gefühlte zwei bis drei Mal den Standort gewechselt; gefühlt wie gesagt, unbewiesen. Zudem zwingen saisonale Sonderaktionsstände zu Umwegen und führen mich zu Süßigkeiten und Knabbereien, obwohl ich die Kaffeefilter angesteuert habe.

Es mag ja an mir liegen, am gefürchteten Orientierungsverlust. Mein Selbstzweifel ist inzwischen so ausgeprägt, dass ich mich schäme, die stets flüchtigen Angestellten im Vorbeihuschen nach dem Ziel zu fragen. Ich würde schier verzweifeln, wenn ich hörte, „ Die Gaffeefilda sind scho‘ seid imma im Gang sieba, Regal B“. Nein, auf diese Gewissheit kann ich verzichten. Im Wald frage ich ja auch keine Bäume nach dem Weg; und Google Maps wäre unsportlich. Ich habe ja Zeit, um spähend durch neu wirkende Gänge zu tapern, im Versuch mich neu zu orientieren. Zum Trost spendiere ich mir ein kleines Erfolgserlebnis und checke bei der Selbstbedienungskasse aus. Um mir selbst zu beweisen, dass ich zumindest diese Innovation beherrsche; noch.  Anpassungsvermögen als erhoffter Gegenbeweis zur Shop-Demenz.

Ihr Global Oldie

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