Hello All,

angesichts der verbalen Rüpeleien eines sprachlichen Minimalisten in Washingtoner Führungsposition bewundere ich die galante Kommunikation , die das Englische bietet, jenseits gewisser Tweets. Englisch bleibt trotz “alternative facts” und “fake news” jener magische Stoff,  aus dem Shakespeare und Lord Byron ihre filigranen Werke webten.

Mir gefällt z. B. der schmeichelhafte  Begriff „senior moment“. Senior moments umschreiben einen Fächer an Alltagssituationen der Alten, in denen sie scheinbar für einen Augenblick mental schwächeln. Die meisten deutschen Beschreibungen klingen eher verdächtigend bis schroff: „vergreiste Aussetzer“ wenn einem Begriffe spontan nicht einfallen oder „senile Vergesslichkeit“; „altersbedingte Unaufmerksamkeit“. Sinniert ein alter Mensch nachdenklich vor sich hin und fixiert dabei einen entrückten Orientierungspunkt, dann ist man auf Deutsch beim „ins Leere starren“. Ärzte nennen das noch halbwegs ehrrettend „Achtsamkeitsdefizit“. Shocking unfriendly, diese deutschen Redewendungen. Ladies and gentlemen, all diese Verhaltenweisen lassen sich auch respektvoll auf Englisch unter „having senior moments“ subsumieren: Augenblicke des Alterns. Wenn schon angelsächsische Fremdworte sich in der Umgamgssprache verbreiten, dann bitte noch dieses. Zumal “senior moments” zusätzlich  „in schönen Erinnerungen schwelgen“ oder einfach nur „Spaß mit anderen Alten“ meinen kann. Wenn Alte etwas amüsant finden und für Jüngere unergründlich kichern sind das ebenfalls „senior moments“,  also Phasen hinterlegt mit positiver Stimmung.  Mit solchen senior moments läßt es sich doch entspannter altern.

Übrigens, ich hatte jetzt drei Wochen lang keinen neuen Blog eingestellt. Von wegen Ladehemmung, Kreativitäts- oder Antriebsverlust: Ich erlaubte mir lediglich einen „senior moment“.

Ihr Global Oldie