Hello All, Ruhe, bitte wieder etwas mehr Ruhe! Corona bedingte Stille?

Ja, zu Beginn der bierernst umgesetzten bajuwarischen Corona-Eindämmungsmaßnahmen war es tatsächlich still geworden in unserer Nachbarschaft mit reichlich Grün drumherum. Wir leben in einem verkehrsberuhigten Wohngebiet, wegen  Grundschule, Kindergärten und Seniorenheimen. Morgens jedoch, wenn der Pendlerverkehr anzuschwellen pflegte, hatten es viele Anrainer hörbar eilig, um geräuschvoll am Rückstau zur weit entfernten Kreuzung mitwirken zu dürfen. Doch im März verebbte jenes Morgenfurioso zur Unhörbarkeit.  Sonderbusse, die Schüler zu den Sportstätten brachten, brummten nicht mehr vorbei; von der Bahnlinie jenseits des Pegnitzgrundes schallten weniger Züge herüber; der bei Nordwestwind vernehmbare Flughafen verstummte vollends. Wir hätten ab Frühjahresbeginn mit offenem Fenster schlafen können, mitten im Stadtgebiet. Vormittags bis abends drangen einzelne Spaziergängergespräche, Kinderlachen und Vogelgezwitscher durch die Hecken bis zur Terrasse. Zwei Wochen währte die ungewohnte Ruhe.

Ende März wich die Lähmung aus unserem Viertel; verdrängt von schallendem Tatendrang der Gartenpfleger. Das sonnige Frühlingswetter trieb sie simultan ins Freie; die Betreiber motorisierter Geräte zum Stutzen der Hecken, Wegblasen vom Laub, Vertikulieren und Abmähen von Rasen. Mal dumpf brummend, mal metallisch klirrend, knatternd oder dröhnend. Übertönt von knirschenden Häckselmühlen und schreienden Baumsägen.  Tagsüber ein kakophonischer Chor der Elektro- Batterie- und Benzinmotoren aus Dutzenden Gärten; links, rechts, vorne, hinten. Verständlich, Gärten brauchen Pflege und deren Bewohner Auslauf. Im April öffneten einige Baumärkte, zunächst nur für Handwerker, mit hörbaren Folgen. Wer wegen Home- Office zuhause bleibt, kann Reparaturen ums Haus professionell ausführen lassen und vor Ort und Stelle überwachen. Profis setzen schwerere Gerätschaften ein. Kreischende Plattenschneider, bullernde Kleinbagger, wummernde Bodenverdichtungsstampfer, nörgelnde Zementmischer, dröhnende Presslufthämmer und  jaulende Steinbohrer. Muss ja mal sein, die Renovierung, das Leben geht weiter. Der Osterhase erwies sich gegenüber einigen Kindern aus der Umgebung dieses Jahr als großzügig. Ferngesteuerte Mini-Autos flitzten über die verwaiste Straße und über unsere Köpfe schossen Minidrohnen durch die Luft, bis die Akkus gnädig ermüdeten.  Nichts gegen Kinderspiele und Geschicklichkeitsübungen mit Technik. Aber warum können die Sound-Designer diesen Dingern keine anderen Ton verleihen als das Geräusch ausschwärmender Mörderwespen? Bzzz, Bisss, Bzzz – schmerzvolle Frequenzen für mein Restgehör.

Ich habe verstanden. Schluss mit Ruhe; so eine Art Alltag ist zumindest akustisch simulierbar. Nun zimmere auch ich geräuschvoll an unserem morschen Gartenhaus, mit motorisierter Schleifmaschine, Bohrer, Hammer und Säge. Zur Beruhigung der Fürsorglichen aus der Nachbarschaft, damit es bei uns nicht zu still bleibt. Weggefahren kann er ja nicht sein, der Global Oldie. Ich lärme, also bin ich; weder krank und hilfsbedürftig.

Ich fange an, das frühere, morgendliche Verkehrsfurioso zu vermissen. Das war ab neun Uhr abgeflaut und es war eher ruhig geblieben auf unserer Terrasse, bis zum Spätnachmittag. Doch jetzt? Corona- Rund-ums-Haus-Lärm. Ruhe; bitte wieder etwas mehr Ruhe!

Ihr Local Oldie