Hello All,

irgendwie hängt alles mit allem zusammen. In meiner Nachbarschaft war es noch nie ein Problem, auf der Straße zu parken; bis letzten Jahres. Doch seit Corona uns bedroht, mehren sich die halb auf dem Gehweg abgestellten Autos. Es ist eng geworden zwischen Gartenzäunen und Stehzeugen. Obwohl in unserem Viertel alle Häuser über eigene Garagen und Stellplätze verfügen. Mein erster Verdacht: die Nachbarn shoppen mit Steuergeld subventionierte Zweit- und Drittautos, die auf elektrisierende „e“ oder „i“ im Namen hören. Zumal andere Ausgabemöglichkeiten entfallen sind und die Banken ein zu üppiges Haben auf dem Konto mit Verwahrgeldgebühren abstrafen. Doch nein, das Gros der bei uns öffentlich abgestellten Wagen sieht nicht nach Neuanschaffungen aus. Erklärung zwei: Home-Office. Die üblichen Fahrten zur Arbeit und Dienstreisen per Auto sind weitgehend entfallen. Plausibel; aber selbst an den Wochenenden der vergangenen Jahre standen nicht so viele Autos öffentlich herum.

Das Frühjahr mit offenen Garagentoren deckt einen weiteren Grund auf: In die Garagen passen kaum noch Autos; sie sind rappelvoll mit den Folgen intensiver Bleib-zuhause-Beschäftigungen.  Die Autos weichen ergiebigen Entrümplungsaktionen aus Keller und Dachboden; machen trockenen Platz für Renovierungsopfer unter altgedienten Einrichtungsgegenständen. Zumal die lokalen Wertstoffhöfe wegen Überfüllung wiederholt an die emsigen Bürger im Lockdown appellieren, sich mit neuen Anlieferungen ihres Schrotts zurückzuhalten. Garagen mutieren zu Flohmarktreservoirs für Spielzeug und veraltete Sportgeräte; zu Werkstätten für Heimwerker und zu Übungsräumen für verhinderte Fitnessbesucher oder gar Partygänger.

Aus Nordamerika ein lang vertrauter Anblick. Privatgaragen und deren Vorplätze in den Suburbs ersetzen seit Generationen den dezentralen Marktplatz; sie sind klassische Nachbarschafts- Treffpunkte. Oft mit Basketballgestell davor und mit abwetzten Sesseln zum Chillen innen. Der amerikanischen Garagenkultur verdanken wir „Garage Sales“, beliebte private Flohmärkte, aber auch bürgernahen Mikro-Wahlkampf, Kneipenersatz und berühmten Erfinderreichtum. Weltkonzerne wie Hewlett Packard und Apple führen ihren Ursprung auf zweckerweiterte Garagen zurück.

In unseren Rechtsgefilden wäre das allerdings bußgeldbewehrte Zweckentfremdung; sanktioniert nach den Garagennutzungsregeln des Bundes und facettenreicher Garagenverordnungen der Bundesländer. Bei Regentagen mal nachzulesen in drögen GarVO oder auch GaStellV. Sehr ordentliche, garantiert kreativitätsfeindliche Erzeugnisse gutmeinender Bürokraten

Also besser husch, verschämt das Garagentor schließen, bevor Nachbarschaftsplausch, Denunziation, Erfindergeist und Unternehmerfreude sich dort ansiedeln. Die Garagen sind eh schon voll.

Höchste Zeit für Öffnung der Biergärten, Wertstoffhöfe, Sportanlagen, Clubs, Dienstreisen und Tourismus: Dann leeren sich auch wieder unsere Bürgersteige. Zum Vorteil für die urbane Optik, Straßenreinigung, Botenfahrzeuge, Fußgänger, Kinderwagenschieber, Kinderradfahrer, stockbewehrte Rentner, Rollatoren und Rollstuhlfahrer.  Es hängt nämlich alles irgendwie zusammen.

Ihr Global Oldie