Wenn Sie den Firefox-Browser verwenden, dann haben Sie die Meldung in den vergangenen Wochen sicherlich auch gesehen: “Mozilla VPN ist da!” Ganz oft ist es auch so, dass die Virenscanner ein VPN zusätzlich anbieten oder verkaufen wollen. Entsprechend erreichen uns sehr oft die beiden Fragen: Was ist VPN eigentlich? Braucht man das?

Was ist VPN?

Die Abkürzung VPN steht für Virtual Private Network (auf deutsch: virtuelles privates Netzwerk). VPN-Anbieter stellen einen Dienst zu Verfügung, der Ihre Identität im Internet verschleiert und den Datenverkehr verschlüsselt. Diese “Identität im Internet” wird im wesentlichen durch die sogenannte IP-Adresse bestimmt, die jedem Internetanschluss zugeordnet werden kann. Der VPN-Anbieter ersetzt nun Ihre echte IP-Adresse durch eine andere IP-Adresse, wodurch Sie im Internet gewissermaßen anonym sind und keine Rückschlüsse mehr auf Ihren Internetanschluss gezogen werden können. Außerdem werden alle Daten, die über das VPN-Netzwerk gesendet werden, verschlüsselt.

Was bringt eine solche VPN-Verbindung?

Eine VPN-Verbindung kann Ihre Privatsphäre im Internet schützen, sowohl am Computer als auch am Smartphone. Denn Sie sind bei der Verwendung eines VPN-Programms für die Betreiber von Internetseiten nicht mehr identifizierbar, wenn Sie diese Seiten besuchen. Völlig anonym ist man allerdings auch dann nicht! Eine VPN-Verbindung kann in bestimmten speziellen Fällen in öffentlichen Netzwerken (zum Beispiel freies WLAN im Café) davor schützen, dass ein Krimineller Ihre Daten mitlesen könnte. Vor allem sind VPN-Dienste aber für Menschen sinnvoll, die in anderen nicht-europäischen Ländern leben oder arbeiten oder dort häufig Urlaub machen, in denen das Internet zensiert ist. In denen also manche Internetseiten gesperrt sind oder in denen die Kommunikation abgehört bzw. mitgelesen wird. Um in solch einem Land an unzensierte Nachrichten zu kommen oder sicher kommunizieren zu können, ist eine VPN-Verbindung sehr hilfreich. Ein VPN-Dienst ist also vor allem nützlich für Politiker, Botschafter, Journalisten oder Aktivisten, die in solchen Ländern unterwegs sind. Außerdem werden VPN-Dienste von Menschen genutzt, die versuchen, die Länderbeschränkungen von manchen Internetseiten absichtlich zu umgehen.

Mögliche Nachteile einer VPN-Verbindung

VPN-Dienste sind in der Regel kostenpflichtig und nicht gerade günstig. Es gibt zwar auch kostenfreie Angebote, diese sind allerdings nicht zu empfehlen, da hier die Seriosität der Anbieter infrage gestellt werden muss. Außerdem wird bei der Verwendung von VPN-Diensten die Internetverbindung deutlich langsamer, dies liegt daran, dass der gesamte Datenverkehr umgeleitet wird. Weiterhin erkennen und sperren verschiedene Dienste im Internet den Besuch mit einem VPN-Anbieter. Hier sind vor allem die Streaming-Anbieter wie Netflix zu nennen. Diese dürfen per Vertrag ihre Inhalte nur in bestimmte Länder ausstrahlen. Mit einem VPN-Anbieter kann man diese Ländersperren umgehen, in dem man die IP-Adresse eines anderen Landes verwendet. Aus diesem Grund kämpfen Netflix und andere Streaming-Anbieter gegen die Verwendung von VPN-Diensten und blockieren diese. Es ist sehr gut vergleichbar mit den Werbeblockern im Internetbrowser. Viele Internetseiten haben sich auf die Werbeblocker eingestellt und verbieten den Besuch der Seite, wenn ein Werbeblocker aktiviert ist. Genauso machen es jetzt auch verschiedene Anbieter von Internetdiensten, wenn eine VPN-Verbindung verwendet wird.

Weiterhin kann es zu Fehlfunktionen von Internetseiten kommen, wenn man eine VPN-Verbindung nutzt. Denn häufig vergeben die VPN-Anbieter zufällige IP-Adressen. Wenn Sie dann beispielsweise mit einer rumänischen IP-Adresse unterwegs sind, so kann es passieren, dass Ihnen Internetseiten auf rumänisch angezeigt werden oder Ihnen beispielsweise Inhalte der ARD und ZDF-Mediathek nicht mehr funktionieren, da diese nur für deutsche Nutzer freigegeben sind.

Einer der wichtigsten Nachteile erscheint uns aber der folgende: die VPN-Verbindung gibt nicht selten ein falsches Gefühl von vollständiger Sicherheit und Anonymität. Eine VPN-Verschlüsselung kann Menschen dazu einladen, das Internet nun als rechtsfreien und straffreien Raum zu begreifen, da man ja nun nicht mehr auffindbar ist. Dies ist ein ganz schlechter und auch falscher Gedanke. Denn selbst bei einer verschlüsselten VPN-Verbindung könnten Sie immer noch von Werbedienstleistern, Trackern, Hackern oder Geheimdiensten im Internet verfolgt werden, Phishing-Angriffen zum Opfer fallen, den Computer mit Malware infizieren oder eben von bestimmten Diensten und Internetseiten ausgesperrt werden. Genau das ist auch der Hauptgrund, warum wir meinen, dass eine VPN-Verbindung für Privatnutzer nicht notwendig ist.

Sicher im Internet auch ohne VPN

Viele Menschen denken, ohne eine VPN-Verbindung sei die gesamte Kommunikation im Internet völlig unverschlüsselt und man braucht deshalb VPN dringend, um sicher zu sein. Das ist falsch. Fast alle Internetseiten bieten heute eine eigene Verschlüsselung an, die dafür sorgt, dass die Kommunikation zwischen Ihrem Computer und der Seite verschlüsselt ist. Sie erkennen dies an dem kleinen Schloss in der Adresszeile des Internetbrowsers und an einer Adresse die mit https beginnt. Das “s” am Ende steht für “secure” und bedeutet “sicher”. Wenn Sie zudem nicht möchten, dass Sie Werbung aufgrund besuchter Internetseiten oder aufgrund verwendeter Suchbegriffe erhalten, so können Sie den “Privaten Modus” oder “Inkognito Modus” Ihres Browsers verwenden. Er verhindert, dass Daten zu Ihrem Surfverhalten auf Ihrem Computer gespeichert werden. Privat bedeutet aber eben nicht anonym. Diese Anonymität suggerieren die VPN-Anbieter, die noch einen Schritt weiter gehen.

Fazit

Ob man wirklich ein VPN-Programm benötigt und dafür Geld ausgeben sollte, das muss schlussendlich jede:r für sich selbst entscheiden. Aus unserer Sicht sind VPN-Programme für Privatanwender:innen nicht nötig, weder für den Computer noch für das Smartphone. Ganz wichtig: Vor allem sind die VPN-Programme völlig ungeeignet, um den Computer besser vor Kriminellen, Schadprogrammen, Viren und Trojanern zu schützen. Viele Menschen denken, dass die VPN-Programme den Computer auch davor schützen. Doch das ist nicht der Fall!

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In einer Zusammenarbeit zwischen diesem Magazin und Levato verfassen Andreas Dautermann und Kristoffer Braun regelmäßig Beiträge für diesen Blog. Ihre Themen: Computer, Internet und Smartphone. Auf www.levato.de helfen sie älteren Menschen beim Umgang mit neuen Medien und Technologien. Dafür wurden sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

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