vignette_mielenzAls unsere Kinder beruflich für ein halbes Jahr nach Südostasien gehen mussten, haben sie (nach vielem Hin und Her) uns Großeltern gebeten, unseren 8-jährigen Enkelsohn für diese Zeit bei uns aufzunehmen.
Darüber haben wir uns sehr gefreut. “Er sei schon sehr selbständig”, sagten unsere Kinder, also könnten wir ihm durchaus schon einiges zutrauen.
Angefangen haben unsere Sorgen mit dem Schulweg. Nachdem wir den jetzt ja neuen Weg mit dem Fahrrad einige Male geübt haben, wollte unser Enkelsohn unbedingt alleine zur Schule fahren. das haben wir dann auch erlaubt, waren aber in ständiger Sorge. So ist Opa schließlich dem Enkelsohn hinterher gefahren, um sicher zu sein, dass nichts passiert. Als unser Enkelsohn Opa im Gefolge entdeckte, war er empört, dass er von uns “überwacht” wird.
Verabredungen mit Schulfreunden am Nachmittag: Opa fuhr ihn mit dem Auto hin und holte ihn zu einer bestimmten Zeit auch wieder ab. Mit der Clique ins Schwimmbad: Opa war in einigem Abstand heimlich dabei. Allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs: Doch lieber Opas Fahrdienst, unser Enkelsohn könnte mit U-Bahn und Bus die Orientierung verlieren. Für ein paar Stunden allein zu Hause: Auch wenn unser Enkelsohn sich gut beschäftigen kann, alleine lassen kam überhaupt nicht in Frage.
Aber braucht unser Enkelsohn Großeltern, die sich ständig Sorgen machen und ihn am liebsten vor allen möglichen Widrigkeiten fernhalten wollen? Ich denke nicht. Unseren Kindern haben wir viel Freiraum gelassen, so, wie wir in unserer Kindheit sicher auch beschützt, aber nicht ständig überwacht oder gar kontrolliert worden sind. Jetzt sollten wir Großeltern so mutig wie unser Enkelsohn sein und lernen (bei allem Verantwortungsbewusstsein), uns nicht mehr so viele Sorgen zu machen. Ich gestehe, dass ist überhaupt keine leichte Übung!