vignette Hello All, wieso macht man übers Altern der Alten eigentlich so viel Aufhebens? Im Normalbetrieb verändert sich bei Senioren innerhalb von 2 Jahren nicht viel; Desaster ausgenommen. Bei Kleinkindern tut sich im gleichen Zeitraum atemberaubend viel. In den ersten 5 Wochen mutieren schrumpelige Neugeborene zu prallen Speckbabies und lassen dabei deren Eltern um 5 Jahre Altern – völlig asymmetrische Alterungsprozesse! Gezieltes Schauen, Greifen und unwiderstehliches Lächeln lernen Babys in 3-5 Monaten. Krabbeln, Laufen und Umgestaltung der Wohnung haben Kleinkinder nach einem Jahr drauf. Sprechen, Weghören und taktisch raffiniertes Trotzen in der sanktionsfreien Öffentlichkeit beherrschen sie nach zwei Jahren; wenige Monate später blecken sie ein komplettes Bio-Austauschgebiss. Das sind Meilensteine, die es enger getaktet zu Feiern lohnt. Chinesen heißen ihre Kleinsten gleich zwei Mal willkommen, nach 30 und nach 100 Tagen. Im Sinne von, das Gröbste sei nun geschafft. Ein Jahr nach Geburt gilt man in China bereits als zweijährig; als tiefe Verneigung vor dem Wunder des aufkeimenden Lebens noch im Mutterleib. Ein Alterungsschub, den besorgte Hüter unseres Renteneintrittsalters sicher mit Argwohn verfolgen und keinesfalls aus China importieren wollen. In Indien wird der Tag gefeiert, an dem Kleinkinder zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nehmen. Letzteres wäre ein gewagter Tipp an die Marketingabteilungen von Seniorenprodukten: Einen Ehrentag mit speziellen Jubiläumsangeboten für den Zeitpunkt, ab dem ihre umworbenen „silbernen Kunden“ wieder auf Distanz zur festen Nahrung gehen. Viele Errungenschaften, die die Kleinen innerhalb 3 Jahre erwerben, bauen Erwachsene nach ihrem Zenit, wenn es gut läuft über 3 Jahrzehnte gestreckt, wieder ab: das Gedächtnis, den aufrechten Gang, das Gebiss oder sicheres Greifen. Für ein Zweijähriges bedeutet ein Jahr 50% mehr an Reifezeit und Lebenserfahrung. Für Sechzigjährige macht ein Jahr on Top noch mickerige 1,7 % aus. So betrachtet dürfen sich Senioren mehr an absoluter Zeit lassen, um proportional gesehen entsprechend schnell wie Jüngere zu sein. Denn relativ gesehen sind selbst langsame Alte richtig flott. Was gewisse Beobachtungen an Kassen oder Ampeln in einem wesentlich günstigerem Licht erscheinen lassen. Von wegen „dalli, dalli“ oder „flotte Senioren“! Die Weisheit Chinas drückt sich dann auch in dem liebenswürdigen „man man qu“ / „geh‘ langsam“ aus, mit dem sie ihre Älteren auf den Weg schicken.
Ihr Global Oldie