vignette_nosseck_bockZugegeben, der neueste Bond-Film “Spectre” interessiert mich nur am Rande. Ich gehe nicht extra ins Kino dafür, sondern warte geduldig, bis er ins Fernsehen kommt. Doch jetzt hat er mein Interesse geweckt. Denn mit Monica Bellucci spielt eine Schauspielerin das Bond-Girl, die 51 Jahre alt ist. Die Bezeichnung Girl ist für eine Frau in diesem Alter schon eine Auszeichnung oder deplatziert. Je nachdem, wie sexy sie sich fühlt und wie jung sie aussieht. Angeblich wollte Regisseur Sam Mendes unbedingt eine ältere Frau für die Rolle.
In der Hochzeit der Bond-Filme als Bösewichter wie Dr. No und der legendäre Gerd Fröbe als Goldfinger im Dienst Ihrer Majestät die Welt retten, wäre das undenkbar gewesen. Die ältereste Mitwirkende war Mrs. Moneypenny. Die wirkte eigentlich alterslos. Später gab es mal eine tolle weibliche “M”. Aber als Chefin und nicht als Bettgespielin.
Monica Bellucci sagte letztens im SZ-Magazin, dass sie immer zu ihrem Alter gestanden hat und nicht glaubt, dass Alter die Frauen entwertet. Wichtig sei es, sich eine innere Jugend zu bewahren, sich für Neues zu öffnen und auf der Höhe der Zeit zu bleiben.
Da werden die Feministinnen schwer schlucken, die bisher gegen die “unsichtbare Frau” zu Felde gezogen sind, die nach der Menopause von der Gesellschaft missachtet um ihre Stellung kämpft. Es gab sogar ein Musical, das 2008 mit großen Erfolg in den USA aufgeführt wurde mit dem Titel “Menopause”.
Da ist nun wohl Vergangenheit, jedenfalls transportiert der neue Bond-Film diese Botschaft. So weit die neue Rolle, die der Frau über 50 zugeschrieben wird. For ever sexy und attraktiv. Und was ist aus dem Helden geworden, der eine reife Frau begehrt? Ist er müde geworden, zu müde für eine junge Gefährtin? So schaut Daniel Craig eigentlich gar nicht aus.
Liebe Journalisten-Kolleginnen und liebe Blogleser, hier ist Interpretationshilfe gefragt. Was sagt dieser Bond über die Männer von heute aus?