vignette_nosseck_bockErst kürzlich habe ich einen geistreichen Beitrag darüber gelesen, dass Filmtitel gerne beim Übersetzen vom Englischen ins Deutsche verhunzt werden. Ich habe gerade einen zauberhaften Film gesehen, auf den dies zutraf. “Fahrstunde fürs Leben” heißt er auf deutsch. Learning to drive auf Englisch. Darin wird von einer Frau in der zweiten Lebenshälfte erzählt, deren Mann eine jüngere Frau bevorzugte und deshalb seine langjährige Ehefrau ausrangierte. Eigentlich nichts Besonderes als Filmstoff. Aber trotzdem sehenswert. Denn die Story wird sehr unprätenziös erzählt. Der Fahrlehrer ist übrigens ein Inder, was zu netten Verwicklungen führt. Die Filmmusik ist von Dhani Harrison, dem Sohn des berühmten Beatle.

Ob er für Menschen jenseits der 50 gedreht wurde, weiß ich nicht. Er spricht mich an. Eine gute Freundin, die mich ins Kino begleitet hat, ist in diesem Jahr gerade 60 geworden. Genau die richtige Zielgruppe für Brigitte “Wir”. Dies ist der neue Titel in der Brigitte-Familie, die mit Brigitte woman ja schon ein Produkt auf dem Markt hat, das reife Frauen anspricht. “Wir” ist erstmals am 16. September zum Preis von 4,50 Euro erschienen. „Brigitte Wir zieht den Hut vor Frauen ab 60 und steht ihnen ab jetzt mit einem neuen Magazin zur Seite“, so Karin Weber-Duve, Redakteurin von Brigitte Wir. Den Namen erklärt sie folgendermaßen: “Wir sind viele, wir werden immer mehr und wir wollen das Prinzip der Gemeinschaft, der Solidarität stärken.“ Jede Ausgabe Brigitte Wir bietet neben Gesundheits-, Psycho- und Kulturthemen einen ausührlichen monothematischen Service-Teil, etwa zu den Themen Wohnen, Geld oder Medizin. Die zweite Ausgabe erscheint Mitte November. 2016 soll Brigitte Wir viermal erscheinen.

Noch habe ich keine aus meinem Bekanntenkreis mit Brigitte Wir unterm Arm gesehen. Das ist nicht verblüffend. Denn berücksichtgit man, dass sich die Menschen in der Regel zehn Jahre jünger fühlen, richtet sich Brigitte Wir tatsächlich an die Frauen 70 plus. Ob die wirklich ein Gefühl der Gemeinschaft empfinden möchten? Ich persönlich finde die Titelwahl äußerst unglücklich. Sicher gab es jede Menge Befragungen vor der Markteinführung. Mich hat wieder keiner gefragt. Ich hätte nämlich gesagt, dass ich es dämlich finde am Kiosk zu sagen: eine Wir bitte. Aber wer kauft denn noch in einem Zeitungsladen seine Zeitschrift oder am Kiosk? Na wir natürlich!