vignette_mielenzSeitdem mein Mann (also Opa) im Ruhestand ist, hat sich unser häusliches Leben vollständig verändert. Das hört man ja immer wieder, dass es nach dem Arbeitsleben und einem strukturierten Alltag für Männer besonders schwer ist, neue Aufgaben zu finden. Meistens haben sie keine Vorstellung, wie sie die neue arbeitsfreie Zeit gestalten wollen. Ausschlafen, entspannen, mit Ruhe Zeitung und Bücher lesen, ins Kino gehen, kleine Reisen unternehmen, den Keller aufräumen, jede Woche Rasen mähen, endlich die unsortierten Fotos bearbeiten und die kleinen Reparaturen erledigen …. all das geht ja nicht immerzu, die nunmehr freien Tage können schon mal arg lang werden.
Da mein Mann auch nicht in einem Sportverein oder bei der freiwilligen Feuerwehr ehrenamtlich engagiert ist, brauchte er eine neue Aufgabe …. und die war schnell gefunden.
Während seiner Berufszeit hat mein Mann einen großen Bogen um die Küche gemacht. Das war einzig und allein mein “Revier”. Seit ein paar Wochen aber bin ich aus der Küche verbannt, denn jetzt kocht Opa.
Da wälzt er meine Kochbücher, kauft neue, geht stundenlang einkaufen, weiß, wo das Gemüse frisch vom Bio-Bauern kommt, lädt sich Rezepte aus dem Internet, schaut Kochsendungen im Fernsehen und kennt alle Köche mit Namen … fast alles Männer eben, das spornt an. In ein Restaurant zum Essen gehen, auch das ist nicht mehr angesagt, denn das schmeckt doch nicht wie zu Hause!
Hausmannskost war gestern. Wir essen nur noch vom Feinsten, wir reden nur noch über Gerichte und Essen und dessen Zubereitung.
Wenn unsere Kinder und Enkelkinder zu Besuch sind, steht Opa stundenlang in der Küche, es gibt mindestens ein 4-Gänge Menü. Natürlich wird seine Kochkunst von allen hefig gelobt und natürlich ist er dann sichtlich stolz.
Ich könnte ganz zufrieden sein, die Kocherei (endlich) losgeworden zu sein. Bin ich auch – irgendwie, wenn ich nicht jetzt für das Aufräumen des hinterlassenen Küchenchaos zuständig wäre und das dauert seine Zeit, während Opa mit den Enkelkindern spielt.
Ja, und dann gibt es die täglichen, inzwischen doch nervigen Fragen von Opa: Was wollen wir morgen essen? Was soll ich morgen kochen?