vignette_mielenz“Plötzlich Funkstille” so überschreibt Anne Holbach in der Nürnberger Zeitung (24./25.5.2014) ihren Artikel über erwachsene Kinder, die einfach den Kontakt zu ihren Eltern (und wohl auch zu ihren Großeltern) abbrechen. Meist geschieht das ohne vorhergehende Anzeichen und ohne Angabe von Gründen von heute auf morgen, manchmal sogar telefonisch.
Wie viele Kinder sich auf diese Weise von ihren Eltern abwenden, lässt sich nicht genau sagen. Aber es passiert wohl häufiger als gedacht. Betroffenheit und Unverständnis der Eltern sind jedenfalls groß und so ist es nicht verwunderlich, dass bundesweit immer mehr Selbsthilfegruppen entstehen. In diesem Rahmen mit ähnlich betroffenen Eltern gelingt es dann, den ganzen Kummer von der Seele und endlich offen über ihre Probleme reden zu können.
Doch es bleibt in einer solchen Situation an den Eltern immer ein bisschen was “hängen”. Da wird in der Familie oder in der Nachbarschaft schon mal gefragt, “da muss doch irgendetwas vorgefallen sein”, “irgendetwas ist doch passiert”, “wahrscheinlich habt ihr was falsch gemacht”, “ein Kind bricht den Kontakt zu seinen Eltern doch nicht einfach so ab”. Ja, und dann werden Ausreden erfunden, weil sich die Eltern schämen.
Oft beschwören die Eltern das frühere enge Verhältnis zu ihren Kindern … “da passte kein Blatt zwischen uns”. Nach der Meinung des Psychologen Jörg Eickmann könnte genau das einer der Gründe für das Verschwinden der Kinder sein: zu viel Nähe, zu wenig streitige Auseinandersetzungen, zu wenig Freiheit für die Kinder und nie richtig abgenabelt vom Elternhaus.
Kann das je wieder gut werden? Offenbar ja, denn es wird von einzelnen Fällen berichtet, dass z.B. Enkelkinder eine heilsame Wirkung auf die Beziehung von Kindern und Eltern (jetzt also Großeltern) haben können. Vielleicht wäre daher eine Einbeziehung der Bedeutung der Großeltern in den gesamten Problemkreis angebracht gewesen?