vignette_mielenzNach meinem vorhergehenden Beitrag, wie Familien es schaffen können, glücklich zu sein, will ich gleich anschließen und die ganz und gar nicht heile Familenwelt beschreiben, die es eben auch gibt. Das geht am besten, wenn man sich anschaut, in wievielen Fällen das Jugendamt in die Familien eingreifen mußte, um Kinder und Jugendliche zu schützen, d.h. nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz in Obhut zu nehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft spielt Gewalt in den Familien eine Rolle, aber auch Vernachlässigung und Verwahrlosung, gravierende Gefährdung des Wohls der Kinder und Mißbrauch. Allgemein wird diese Situation in der Presseberichterstattung als Versagen der Familie dargesellt (Nürnberger Zeitung vom 8.8.2013) oder auch als Versagen der sozialpädagogischen Dienste der Jugendämter.
Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2012 40.227 Kinder und Jugendliche von den Jgendämtern in Obhut genommen. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Das mag an der erhöhten Aufmerksamkeit der Jugendämter liegen, zeigt aber auch die traurige Realität der anderen Seite des Familienlebens. Noch schlimmer wird es, wenn man genauer auf die Zahlen zur Inobhutnahme schaut, denn mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche verlassen auf eigenen Wunsch ihre Familien, d.h. sie suchen von sich aus den Schutz des Jugendamtes – “freiwillig” und in höchster Not.
Immerhin können 39 % der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen nach einiger Zeit wieder in ihre Familien zurückehren.
Diese Statistik der Inobhutnahmen zeigt drastisch, dass viele Familien dauerhaft belastet sind und mit ihren Lebensumständen nicht zurecht kommen. Kinderschutz bedeutet auch, vermehrt und möglichst frühzeitig Hilfen für Familien zur Verfügung zu stellen – das ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch wirksamer.