vignette_mielenzEs ist ja kein Geheimnis, dass mit zunehmendem Alter der Bedarf an “Ersatzteilen” wächst. Die meist gebrauchten sind Brillen bei nachlassender Sehschärfe, Implantate, weil die Zähne eben nicht ein drittes Mal nachwachsen, Hüft- und Kniegelenke, um bis ins hohe Alter beweglich zu bleiben und Hörgeräte, um mit allen Sinnen am Leben teilzuhaben. Während Brillen ihr negatives “Altersimage” ganz und gar verloren haben und die verschiedenen Firmen um den modischen Spitzenplatz wetteifern, ist das Tragen eines Hörgerätes leider immernoch irgendwie “altersdiskriminiert”. Dabei ist der Verlust an Hörvermögen längst nicht mehr (genauso wie bei den Brillen) nur eine Folge des Alterns.
Mein Mann, also der Opa, hört seit einiger Zeit ziemlich schlecht. An Gesprächen nimmt er kaum noch teil und auch mit unseren Enkelkindern werden Unterhaltungen schon mal mühsam. Aber er fühlt sich nicht isoliert, im Gegenteil.
Die Welt sei doch sowieso viel zu laut, da könne es nicht schaden, wenn er nicht alles deutlich hören würde. Und die Enkelkinder machten auch viel zu viel Lärm, doch in seiner eingeschänkten Hörfähigkeit könne er sie gut aushalten. Überdies: Aufmerksam und konzentriert zuzuhören, das sei ihm jetzt wichtig und auch eine neue Lebensqualität. Ein Hörgerät jedenfalls brauche er nicht, das sei doch was für (ganz) alte Leute.
So habe ich fast schon aufgegeben, meinen Mann zu bewegen, einen Hörtest zu machen und wenn nötig, ein Hörgerät zu tragen, diese ganz kleinen unaufälligen, die das Hören aber erheblich verbessern.
Eine Hoffnung allerdings bleibt noch. Wir besuchen gerne klassische Konzerte. Vielleicht regt das an, über das Hören nachzudenken. Ansonsten frage ich mich, warum Hörgeräte unter den “Ersatzteilen” ein so schlechtes Image haben?