Hello all, oder „nimen hao“, letzte Woche waren wir in Shanghai auf der ersten Geburtstagstagfeier unserer Freundin Sun Chan Feng. Hört sich blutjung an, aber unsere Freundin war Sechzig geworden. Mit Sechzig, fünf mal zwölf Jahre schließt sich nach chinesischer Überlieferung der erste Lebenszyklus. Das Leben gilt als vollständig: Mit Sechzig hat man dann hoffentlich die wichtigsten Lebensaufgaben gemeistert: Das Lernen, das Arbeiten und die Aufzucht einer eigenen Familie zum Fortbestand der Sippe. Nach Sechzig fängt ein neuer Zyklus an – auf einem höheren Niveau und in engeren Zeitbahnen. Deshalb ist der Sechzigste für Chinesen der Anlass, zum ersten Mal „so richtig“ Geburtstag zu feiern. Besser gesagt, sich feiern zu lassen, vor allem von den Kindern. Im großen Kreis der Sippe und mit „engen Freunden aus den alten Tagen“. Sun Chang Feng. war im Jahr des Drachens geboren, worauf sie mächtig stolz ist. Stolz: war überhaupt ihre vorherrschende Stimmungslage. Stolz auf ihr erreichtes Alter, stolz auf ihre zwei erfolgreichen Töchter, stolz auf den prächtigen Empfang in einem Hotel, stolz darauf, dass alle Geladenen sehen konnten, was für ein opulentes Fest ihr die dankbaren Töchter spendierten und stolz darauf, dass alle Jüngeren ihr nun den Respekt zollten.
„Eigentlich bin ich ja schon 61“ ließ sie mich wissen, mit Hinweis darauf, dass sie, wie alle klassisch orientierten Chinesen, schon bei Geburt als einjährig galt – sozusagen ab Beginn des ersten Lebensfunkens gezählt. Seit Jahren war es ihr sehnlicher Wunsch, dass ihre weit verstreute Familie aus ganz China und den USA zu ihrem großen Geburtstag einmal zusammenkäme. Ein ungemein emsiger und leidensfähiger Clan , der sich nach den katastrophalen Hungerjahren zur Zeit des „großen Sprungs nach vorn“, später nochmals in alle Winde zersprengt und gedemütigt durch Tyrannei der Roten Garden während der Kulturrevolution, sich nicht hat klein kriegen lassen, und heute „Onkel Deng“ (Deng Xiao Ping) den kleinen neunen Wohlstand und harmlose Freiheiten zutiefst dankt.
Nach stundenlangem und brüllend lautem klackenden Majongspielen ging’s über zum Essen, ein prächtiges Menü, das in rascher Abfolge auf kreisenden Glastabletts serviert wurde: Die ewig lange Bandnudeln symbolisierten das lange Leben der Jubilarin, die, mal wieder stolz , einen lupenreinen Jadearmreif trug. „Sag deinem Mann, in China erachten wir Gold als wertvoll, aber Jade als unbezahlbar“. Ja, es gab auch neue Geschenke: Gesundheitsweine, Tonika aus Pflanzen und Tiermaterial, und in doppelten roten Umschlägen diskret überreichte Geldbeträge – sehr pragmatisch, sehr chinesisch.
„In zehn Jahren kommt ihr wieder zu meinem Geburtstag“ rief sie uns beim Abschied.
Ja, alle zehn Jahre, ab Sechzig.
Liebe Freunde, wäre es nicht auch für uns eine Idee, die Ressourcen zu bündeln, es mit Sechzig zum ersten Mal und dann alle zehn Jahre so richtig krachen zu lassen – auf Kosten der Jüngeren? Mir gefällt die Idee ganz gut…..das mit dem lärmenden Majong könnte man ja austauschen gegen, sagen wir mal Schafskopfen.
生日快乐 , alles Gute zum Geburtstag., stimmt sicher mal in den nächsten 365 Tagen
In diesem Sinne, Ihr Global Oldie